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E-Commerce Anbieter vergleichen

B2B E-Commerce 7 Min. Lesezeit Daniel Becker 28.04.2020

Wie wählt man den passenden E-Commere Software Anbieter

Beim Start in den Onlinehandel ist die Wahl der richtigen Onlineshop-Software natürlich ein entscheidender Faktor. Sie sollten jedoch auch die E-Commerce Anbieter vergleichen. Denn Technologie und Features sind nicht alles, und je größer das Projekt wird, umso wichtiger ist die Unterstützung des Shopsoftware-Herstellers. Dazu geben wir Ihnen im folgenden einen Überblick und ein paar Tipps.

Welches Geschäftsmodell (B2C / B2B)

Das B2B Segment wird für den E-Commerce immer interessanter. Die meisten Anbieter von E-Commerce Lösungen, insbesondere bei den klassischen Shopsystemen wie Magento, Shopware, Oxid, Intershop und vielen mehr, haben ihre Software für den B2C-Markt entwickelt. Das heißt nicht, dass sie gar keine Erfahrungen im B2B hätten und dass sich mit der jeweiligen – ursprünglichen B2C-Software kein B2B-Projekt umsetzen ließe. Aber: Das Segment gehört nun einmal nicht zu ihrem Kerngeschäft. Service & Support, Lizenzmodelle und Entwicklungsroadmap sind auf das B2C-Geschäft ausgerichtet. Auch steht die Unterstützung für B2B-Anforderungen und Applikationen nicht im Vordergrund. Daher ist das eigene Geschäftsmodell bereits das erste Entscheidungskriterium für die Auswahl des passenden E-Commerce Anbieters.

Eine ständig wachsende Übersicht der B2B Shop Lösungen finden Sie hier.

Ihre (internen) Rahmenbedingungen

Bei den ganz kleinen Projekten stellt sich die Frage, welcher Anbieter zu Ihnen passt, eigentlich kaum. Denn in der Regel werden Sie, abgesehen vom Abschluss. des Kauf- oder Mietvertrages, zu ihm nur minimalen Kontakt haben. Ausnahmen sind gelegentliche Supportanfragen, wenn die vorhandene Dokumentation mal wieder nicht eindeutig ist.

Sprache:

Daher können als relevante Entscheidungsfaktoren eigentlich nur in Betracht kommen, ob es einen kostenfreien Support gibt und ob dieser auch deutschsprachig ist. Letzteres klingt im 21. Jahrhundert etwas merkwürdig. Aber E-Commerce- und IT-Laien tun sich – auch bei gutem Business-Englisch – in der Praxis häufig schwer, ein Softwareproblem auf Englisch zu beschreiben. Und das traurige ist, dies gilt auch für viele Supportmitarbeiter.

Know-how:

Neben der Sprache ist damit natürlich auch das Know-how im eigenen Unternehmen ein Kriterium: Wenn Sie über kein E-Commerce Know-how verfügen und auch keine externe Expertise dazu nehmen möchten, fallen leider alle Anbieter klassischer Shopsysteme aus Ihrem Raster. Die Hilfe einer Agentur oder einer E-Commerce Beratung ist alleine schon aus diesem Grund durchaus sinnvoll.

Budget:

Ihr Budget entscheidet – wie so oft – ebenfalls mit. Am Markt gibt es zahlreiche Anbieter von Enterprise-E-Commerce-Systemen mit beeindruckendem Leistungs- und Funktionsspektrum, ergänzt durch individuellen Support bis hin zu dezidierten Entwicklungsleistungen für die eigenen Kunden. Dieser Service kostet natürlich. Dann gibt es noch Anbieter von E-Commerce Frameworks, mit denen sich digitale Geschäftsmodelle von Grund auf nach ganz individuellen Anforderungen aufbauen lassen. Zwar bewegen sich diese Anbieter selbst nicht im Enterprise-Segment, das Investitionsvolumen für solche Lösungen ist aber so gewaltig, dass für sie als Kunden nur große Unternehmen, Konzerne und Brands in Frage kommen.

Supportbedarf:

Neben den grundlegenden Geschäftsbeziehungen, B2B oder B2C, haben auch noch weitere Faktoren Einfluß auf Ihren den Support-Bedarf und damit auf die Wahl des Anbieters. Je nachdem, mit welchen Produkttypen und welcher Anzahl Sie in den Onlinehandel einsteigen, in welcher Branche Sie aktiv sind, an welche Kunden Sie sich richten, welche Bezahlmodelle und Marketingaktionen nötig und in wieviele Märkte Sie einsteigen wollen, nimmt die Komplexität Ihrer E-Commerce Lösung zu sind. Damit steigt Ihr Supportbedarf.

Nehmen wir an, sie möchten eine Kundenportal mit Abo-Modell im für individualisierte Leistungen im medizinischen Bereich entwickeln, werden kleinere oder nichtspezialisierte Anbieter beim Support schnell an ihre Grenzen stoßen. Dies lässt sich zwar eventuell durch die Auswahl des passenden Implementierungspartners kompensieren, ist aber keine ideale Situation. Sie müssen sich also über Ihre Strategie und Ihre Anforderungen im klaren sein, wenn Sie eCommerce Anbieter sinnvoll vergleichen wollen.

E-Commerce Anbieter Gartner
Übersicht von Shopsystem Anbietern und Einordnung, Quelle: Gartner 2018
E-Commerce Anbieter Gartner 2019
Übersicht von Shopsystem Anbietern und Einordnung, Quelle: Gartner 2019

E-Commerce Anbieter vergleichen: Relevante externe Kriterien

Die folgenden Kriterien sind natürlich auch für die Auswahl des Implementierungspartners von zentraler Bedeutung.

Unternehmensgröße:

Gemessen nach Umsatz, Gewinn und Mitarbeiteranzahl sagt sie etwas über den Erfolg und die wirtschaftliche Potenz des Software Anbieters aus. Dies sind auch Hinweise zur Qualität und dem Preis-Leistungsverhältnis. Natürlich muss der Marktführer aber nicht die beste Wahl für ein kleines Unternehmen sein, denn dieses ist für ihn nur ein Kunde unter tausenden und von geringer Bedeutung. Gerade im B2B E-Commerce sollten daher kleinere Unternehmen eher nach einem Anbieter in ihrer Gewichtsklasse suchen.

Organisation:

Hier ist vor allem das Verhältnis von produktiven Mitarbeitern zum sogenannten Wasserkopf einer Organisation interessant. Ist dieser im Verhältnis enorm groß, spricht das nicht für effiziente, moderne Prozesse beim E-Commerce Anbieter. Das wäre nicht schlimm, beträfe es nur HR, Buchhaltung und Co. und eben nicht das Projektmanagement. Allerdings sind nur die wenigsten Unternehmen derart schizophren, dass sich die Qualität der Geschäftsabläufe von Abteilung zu Abteilung enorm unterscheidet.

Kunden und Projekte:

Die Anzahl ist interessant, wenn Sie die Unternehmenszahlen kennen. Dann lassen sich nämlich Rückschlüsse ziehen, wieviel der Anbieter mit seinen Kunden erwirtschaften muss – und welcher Druck dahinter steht. Außerdem kann es Aufschluss über den Erfahrungsschatz des Unternehmens geben.

Projektteam:

Hier sollten Sie darauf achten, dass es eine ausreichend große Anzahl von ausreichend großen Projektteams gibt. Eine hohe Auslastung ist natürlich für den Anbieter wichtig. Anderseits wollen Sie Ihr Projekt auch mit den ausreichenden Ressourcen versehen wissen, damit es im Urlaubs- oder Krankheitsfall nicht ins Stocken gerät

Referenzen:

Achten Sie beim Vergleich der E-Commerce Anbieter auch auf die Referenzprojekte. Gibt es welche in Ihrer Branche oder mit einem vergleichbaren Ansatz? Es ist immer hilfreich, wenn der Anbieter hier bereits über Erfahrung verfügt.

Kostenmodell:

Dieser Aspekt könnte auch der Softwareauswahl zugeordnet werden. Inhaltlich geht es um die Frage, wie der Anbieter sein Geld verdient. Zahlen Sie als Kunde eine fixe oder eine volumenbasierte Lizenz (z.B. nach Shopumsätzen) oder müssen Sie vorab eine bestimmte „Menge“ an Logins lizenzieren und haben das Problem, diesen Wert nicht exakt beziffern zu können? Wird jährlich, halbjährlich oder nach der Art eines Subscriptionmodells monatlich abgerechnet mit einer gewissen Mindestlaufzeit? Gerade der Unterschied zwischen klassischen Softwarelizenzen, die als Kapitalaufwendungen verrechnet werden, im Gegensatz zu Subscription-Modellen, die als Betriebsanlagen gelten, sich aber langfristig kaum berechnen lassen, ist für den Vergleich der E-Commerce Anbieter interessant.

Unternehmensgründung:

Die Zeit, seit das Unternehmen am Markt ist, sagt natürlich etwas über die Beständigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg aus. Erst recht in Relation zu den anderen Unternehmensdaten. Wenn es seit 15 Jahren besteht, aber nur über eine Handvoll Referenzprojekte verfügt, ist das sicher ein Grund, genauer hinzusehen.

Investor:

Das Engagement eines Investors oder der Merger in ein größeres Softwareunternehmen sprechen einerseits für die Attraktivität der E-Commerce Lösung. Andererseits hat der Investor natürlich Interesse an einer hohen Rendite und fordert eine Senkung der Ausgaben. Das kann auf eine Fokussierung auf den Vertrieb und zu Lasten der Weiterentwicklung und des Supports für das Shopsystem gehen. In einem größeren Unternehmenskonstrukt fehlt es manchmal an einer klaren strategischen Ausrichtung. Auch dies wirkt sich negativ auf die Weiterentwicklung aus, sowohl technologisch als auch hinsichtlich eines unklaren Geschäfts- und Vertriebsmodells. Magento unter eBay ist dafür ein trauriges Beispiel.

Partner:

Wenn Sie E-Commerce Anbieter vergleichen, achten sollten Sie auch die Anzahl der Partner und das Partnerverhältnis unter die Lupe nehmen. Eine große Anzahl ist sicherlich ein gutes Zeichen. Aber gibt es Partnerschaften mit Softwareanbietern die für Ihr Projekt relevant sind? Und handelt es sich um eine reine Vertriebspartnerschaft oder gibt es eine engere, technologische Zusammenarbeit? Gerade bei der Anbindung von geschäftskritischen Anwendungen wie ERP oder CRM-Systemen ist dieser Punkt von Bedeutung.

Persönlicher Eindruck vom E-Commerce Softwareanbieter

Neben all diesen harten Faktoren sollte man die soften nicht vergessen, oder besser den einen. Was sagt Ihre Intuition beim Anbieter, stimmt die Chemie? Denn Sie sollten bedenken, dass Sie gerade bei komplexen Projekten, länger und intensiver mit dem E-Commerce Anbieter zu tun haben werden. Wenn Sie Ihre Shortlist mit möglichen Onlineshop Softwarelösungen zusammengestellt haben, laden Sie also die Anbieter zur Produktpräsentation ein und verschaffen sich einen persönlichen Eindruck.

Entscheidungsmatrix zum E-Commerce Anbieter vergleichen

Dies ist nur eine Auswahl möglicher Entscheidungskriterien –  wenn auch die unsere Ansicht nach entscheidenden. Um sich nun darüber klar zu werden, welches Unternehmen am besten zu Ihnen passt und um effektiv E-Commerce Anbieter zu vergleichen, sollten Sie eine Entscheidungsmatrix entwickeln. Clustern Sie zur besseren Übersicht die Kriterien nach Themen. Gewichten Sie dann die die einzelnen Kriterien. Denn womöglich ist für Sie das Supportthema lange nicht so relevant wie die Anzahl passender Referenz-Projekte. Nun vergeben Sie Werte auf einer Skala von 1-10 für jedes Kriterium und rechnen diese am Ende jeder Spalte auch zusammen. So erhalten Sie einen granularen Vergleich der Anbieter und eine Zusammenfassende Bewertung. Wenn bei einzelnen Anbietern die Gesamtwerte sehr nah beieinander liegen, kann die persönliche Einschätzung, der softe Faktor, ob die Chemie stimmt, dann den Ausschlag geben.

Eine gute Beschreibung, wie sich eine Entscheidungsmatrix entwickeln und nutzen lässt, finden Sie etwa auf dem Blog komfortzonen.de