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Erfolgreiche Verschmelzung von Onlineshop und Ladengeschäft | Steireif GmbH

Geschrieben von Redaktion | 02.07.2019 09:19:10

Gastbeitrag von Marcel Krippendorf

Verödende Innenstädte, Leerstand überall. Dieses Szenario scheint jedem schon mal gemalt worden zu sein, der sich mit Onlineshops beschäftigt – egal ob nun aus beruflichen Gründen oder als privater Konsument. Gleichzeitig sprießen Onlineshops wie Pilze aus dem Boden. Nahezu jedes Themenfeld und jede Nische scheint mit unzähligen Shops bedeckt zu sein.

In meiner täglichen Arbeit als Shopware Freelancer bin ich schon vielen Themenbereichen begegnet. Alle Kunden eint, dass sie die Möglichkeiten des Internet-Verkaufs nutzen wollen. Kein Ladenschluss, relativ geringe Kosten im Vergleich zu einem eigenen Ladenlokal, deutschland-, europa- oder gar weltweite Kunden können erreicht werden. Die Vorteile aus Sicht eines Onlineshop-Betreibers liegen auf der Hand. Und doch gibt es ebenfalls viele Händler, die erfolgreich sind auf beiden Wegen – online und offline.

Ich habe drei meiner Kunden interviewt, die sowohl einen Onlineshop als auch ein Ladengeschäft besitzen. Wie immer im Leben hat jeder Händler seine ganz eigene Geschichte, jede davon spannend und interessant. Nun erhalten diese Händler ihre Bühne.

Hiveworld: Eine Schlingerfahrt zum Erfolg

Hiveworld ist ein Händler für Gesellschaftsspiele. Dabei geht es weniger um klassische Gesellschaftsspiele wie Monopoly, sondern eher um Nischenspiele aus eigenen Universen wie Star Wars oder Warhammer. Auch wenn das auf den ersten Blick kein Massenmarkt zu sein scheint – es lohnt sich dennoch. Gestartet ist Hiveworld damals als reiner Onlineshop. Doch schnell wurde klar, dass ein stationäres Geschäft dazu kommen musste. Das ist in einer Großstadt wie Köln zwar nicht leicht, aber Christopher Ruddat von Hiveworld hat dennoch eine gute Lage gefunden, in der ein Geschäft betrieben werden konnte.

Kleine Randnotiz: Ende 2018 folgte sogar der zweite Laden – das Konzept geht also auf.

Und die gute Lage macht sich bemerkbar: schnell wurde der stationäre Handel umsatzstärker als der vorher bestehende Onlineshop. Kurzfristig gedacht wäre es also eine logische Konsequenz gewesen, den Onlineshop zu schließen, da hier ja auch Kosten und Arbeitszeit mit verbunden sind. Dennoch sah Christopher Ruddat die Chance im Onlinehandel und ließ nicht davon ab.

Was sich auch abzeichnete: Online und offline können sich befruchten. So wurde recht bald klar, dass hiveworld.de ein Abbild des stationären Geschäftes sein muss. Damit können sich Kunden und potenzielle Kunden vorab informieren, ob ihr Spiel verfügbar ist. Zudem kann auf der Webseite bequem über anstehende Events informiert werden – ein durchaus erfolgskritischer Faktor für Hiveworld. Diese Informationen ziehen Besucher in den Laden, die vor Ort mit Gleichgesinnten eine Runde spielen und somit auch Umsatz im Laden lassen.

Spielzeug24: aus der Garage in die ganze Schweiz

Der zweite meiner Kunden, von denen ich berichten möchte, ist spielzeug24.ch. Auch hier fing alles so ähnlich an wie bei Hiveworld. Dabei war der Start dieses Onlineshops rein aus der Notwendigkeit heraus entstanden. Wie in Deutschland ist es auch in der Schweiz nicht leicht, die Bedürfnisse von Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. So nahm Marlis Mäder ihr Schicksal in die Hand und gründete ein Unternehmen. In einer Garage wurde der Grundstein für das erfolgreiche Geschäft gelegt. Das war 2007.

Es wurde schnell klar, dass das Geschäft erfolgreich werden würde. Also zog die Firma zwei Jahre später aus der Garage heraus und mietete sich Büroräume an, in denen das stationäre Geschäft eingerichtet wurde. Passenderweise war direkt unter dem Ladengeschäft eine Spielhalle für Kinder – einfacher und sinnvoller kann man seine Kundschaft nicht erreichen.

Auch hier ergeben sich natürlich Synergieeffekte. Kunden, die den Laden kennen, kaufen online. Und Kunden, die sich online informieren, gucken auch gerne mal in Rorschach vorbei. Wie stark diese Effekte wirken, kann Familie Mäder leider nicht in konkreten Zahlen beziffern, doch sind diese Effekte in jedem Fall spürbar.

Technisch setzt die spielzeug24.ch AG hier auf das Shopware-exklusive Pickware POS. Das dient dem Datenaustausch zwischen stationären Geschäft sowie dem Onlineshop. Das heißt: alle Preise sind identisch, Kundenkonten können am Verkaufsschalter (Point of Sale) aufgerufen werden, Rabatte und Gutscheine verrechnet werden, Click&Collect-Bestellungen sind damit möglich und viele weitere intelligente Möglichkeiten. Ein durchgängiges System hilft auch, Arbeitszeit zu sparen. Änderungen müssen nur an einer Stelle (hier im Shopware Backend) bearbeitet werden.

Die Erfahrungen mit dem System sind für Familie Mäder sehr positiv. Die Kunden äußern sich sehr wohlwollend über die Möglichkeiten, die ihnen spielzeug24.ch bietet – welche durch Shopware und dem Pickware POS realisiert werden.

Cosyville: erst offline, dann online

Bei Cosyville ist es anders als bei den vorherigen Geschäftsmodellen. Hier begann alles mit dem Ladenlokal in Vechta und hat erst im zweiten Schritt den Weg in den Onlinehandel gefunden. Das war allerdings konzeptionell vom Geschäftsführer Jan Brannolte auch so geplant. Den Onlinehandel sieht er als große Zukunftschance. Das Potenzial wird hier also direkt mit berücksichtigt.

Der große Vorteil, den Cosyville durch das Online-Offline-Konzept hat, ist, dass die Systeme direkt passend aufgebaut werden konnten. In Vechta hebt sich Cosyville von anderen Händlern insofern ab, dass hier durchgehende Systeme eingesetzt werden. Auch hier wird mit Shopware und dem Pickware POS gearbeitet. Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand und sind identisch mit den eben berichteten Vorteilen der spielzeug24.ch AG.

Etwas, das mir alle Händler, mit denen ich gesprochen habe, berichteten, ist die wechselseitige Verstärkung der Geschäftsbereiche. Online wird ein Shop als Präsentationsplattform genutzt, um sich über das Angebot zu informieren und später dann lokal gekauft. Und das Ladengeschäft wird für den Vertrauensaufbau in den Händler genutzt, um schließlich online zu konvertieren. Cosyville setzt dabei auch stark auf Optik und ein buntes Lebensgefühl. Insofern ist ein Auftritt bei Instagram sehr passend, der sich auch positiv auf die Bekanntheit von Cosyville auswirkt.

Nicht unberücksichtigt sei hier der Faktor Tourismus. Ich denke, es ist nicht zu unterschätzen, wie sich ein Geschäft aus Vechta, Köln oder Rorschach in der Schweiz auswärtigen Besuchern präsentiert und im Kopf bleibt, damit die Webseite später empfohlen wird oder der Besucher dort selbst einkauft.

Der Onlineshop von Cosyville fährt derzeit nur einen Bruchteil des Offline-Umsatzes ein. Dennoch zeigt die Erfahrung meiner anderen zwei Kunden, dass hier mit etwas Fleiß und Disziplin online noch viele Kunden bedient werden können. Das Potenzial ist vorhanden und wird, da bin ich mir sicher, von Jan Brannolte und seinen Mitarbeiter mit der Zeit gehoben.

Fazit

In meiner Arbeit als Shopware Freelancer habe ich bereits viele Kunden begleitet. Ein Großteil davon sind reine Onliner und diese sind sehr zufrieden damit. Doch als Dienstleister finde ich die Projekte am spannendsten, welche die „echte“ Welt mit der virtuellen Welt verbinden. Weil es zeigt, dass Offline eben nicht so tot ist, wie es immer behauptet wird.

Bei den Interviews, die ich für diesen Artikel geführt habe, kam eines deutlich hervor: man muss wissen, wie man beide Welten für seine Ziele nutzt. Egal ob durch Click&Collect, Events oder einen starken Instagram-Auftritt. Am Ende lässt sich zwar nicht genau in Umsatzzahlen beziffern, welche Maßnahme welchen Wert geschaffen hat, aber dennoch ist es für alle Händler spürbar. Die Kunden sehen sich um und wollen auch in der „echten“ Welt kaufen. Offline ist so lange nicht tot, wie es findige Geschäftsleute gibt, welche die Kunden verstehen und diesen einen guten Zugang zu Ihrem Unternehmen anbieten.

 

über den Autor:

Marcel Krippendorf ist seit mehreren Jahren im E-Commerce und Online-Marketing tätig. Lange Zeit auf Kundenseite – und nicht immer ganz zufrieden mit dem Verhältnis zwischen Kunde und Agentur – hat er sich 2016 mit seinem Know-how und dem Anspruch, Kunden auf Augenhöhe zu beraten, als Shopware-Freelancer selbstständig gemacht.