07.01.2026

Die Wahl der richtigen OXID-Agentur entscheidet darüber, ob Ihr E-Commerce-Projekt ein Erfolg wird oder Sie in zwölf Monaten mit einem halbfertigen Shop oder Shop-Update, einem ausgelaufenen Budget und einem frustrierten Team dastehen. Kein angenehmes und seltenes Szenario.
Das OXID-Ökosystem zählt laut eigenen Angaben über 100 zertifizierte Lösungspartner allein in der DACH-Region. Die Auswahl ist also groß, nur gibt es ein gewaltiges Problem: Groß ist auch die Bandbreite zwischen wirklich kompetenten Agenturen und solchen, die ihre OXID-Erfahrung vor allem in der Selbstdarstellung unter Beweis stellen. Wer die falschen Kriterien anlegt, trifft die falsche Wahl.
Als neutrale E-Commerce Beratung, die häufig Auswahlprozesse von Agenturen begleitet, möchten wir im folgenden Blogbeitrag auf die wichtigsten Punkte hinweisen, so dass Sie idealerweise den passenden Partner für Ihr OXID Projekt finden.
OXID ist nicht mehr das System von vor zehn Jahren. Mit der Ablösung der älteren Versionen und dem Umbau auf Basis des Symfony-Frameworks hat OXID einen technologischen Sprung gemacht, der viele Agenturen schlicht überfordert hat. Nicht ganz so dramatisch, aber vergleichbar mit der damaligen Situation von Magento 1 und Magento 2.
Das bedeutet: Es gibt heute einen deutlichen Graben zwischen Agenturen, die wirklich mit der modernen OXID-Architektur umgehen können, und solchen, die noch auf alten OXID 4 oder OXID 6 Projekten unterwegs sind und das neue Paradigma noch nicht vollständig verinnerlicht haben.
Für Sie als Auftraggeber ist dieser Unterschied nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, hat aber massive Auswirkungen auf Projektqualität, Wartbarkeit und Betriebskosten.Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Das Erste, was Sie prüfen sollten: Ist die Agentur offiziell zertifizierter OXID-Lösungspartner? Eine Zertifizierung ist kein Freifahrtschein, kann aber beim Aufbau einer Shortlist helfen. Entscheidender ist, ob die Agentur an Community-Events teilnimmt, Pull Requests ins OXID-Repository einbringt, eigene Module im Marketplace veröffentlicht oder in OXID-Roundtables präsent ist. Das sind die Agenturen, die das System nicht nur anwenden, sondern mitgestalten.
Fragen Sie konkret: Wann war das letzte Mal, dass Ihr Team aktiv zur OXID-Codebasis beigetragen hat, beispielsweise in Form einer Erweiterung?
Wer heute ernsthaft mit OXID eShop 7 arbeitet, muss Symfony kennen. Nicht oberflächlich, sondern wirklich. Dependency Injection, Event-System, Services, Composer-basiertes Dependency Management. Das sind keine Buzzwords, das ist der technische Alltag in einem modernen OXID-Projekt.
In Gesprächen mit potenziellen Agenturen lässt sich das gezielt herausfinden. Wie strukturieren sie Module? Wie gehen sie mit dem OXID-DI-Container um? Wie stellen sie sicher, dass Customizations updatefähig bleiben? Wer auf diese Fragen mit konkreten Antworten und echten Beispielen reagiert, hat offensichtlich reale Projekterfahrung. Wer anfängt, vage zu bleiben, wahrscheinlich nicht.
Agenturen technisch zu challengen ist aber leichter gesagt als getan. Wenn Sie auf Ihrer Seite keinen IT-Leiter haben, der im Thema steckt, sollten Sie über externe Unterstützung nachdenken.
B2B-Handel ist anders als B2C. Wer ein erklärungsbedürftiges Industrieprodukt mit komplexen Preislisten, kundenspezifischen Sortimenten und mehrstufigen Genehmigungsprozessen verkauft, braucht eine Agentur, die das kennt. Aus der Praxis, nicht aus der Theorie.
Fordern Sie deshalb Referenzen aus Ihrer Branche an. Und schauen Sie sich diese genau an. Nicht nur die gestalteten Screenshots, sondern die dahinterliegenden Anforderungen. Wie komplex war das Datenmodell? Welche ERP-Systeme wurden angebunden? Wie wurde mit kundengruppenspezifischen Preisen umgegangen?
Ein weiterer Punkt: Die OXID Enterprise Edition ist funktional deutlich umfangreicher als die Professional Edition. Sie bietet Multi-Shop-Fähigkeit, erweiterte B2B-Funktionen und höhere Skalierbarkeit. Aber sie ist auch komplexer. Nicht jede Agentur hat dort wirklich fundierte Erfahrung. Also fragen Sie explizit danach, ob und in welchem Umfang mit der Enterprise Edition gearbeitet wurde.
Ein Projekt scheitert selten an fehlenden Programmierkenntnissen. Es scheitert an schlechter Anforderungsaufnahme, fehlender Dokumentation, unklaren Verantwortlichkeiten und einem Deployment-Prozess, der aus dem Jahr 2015 stammt.
Eine gute OXID-Agentur hat hier klare Prozesse. Fragen Sie konkret:
Die Antworten darauf sagen mehr über die Professionalität einer Agentur als jedes Portfolio. Eine Agentur, die hier strukturiert antworten kann, hat offensichtlich mehr als ein paar Projekte überlebt.
Zu niedrige Erstangebote, die sich im Projektverlauf verdoppeln. Roadmaps, die beim ersten Sprintreview bereits Makulatur sind. Zeitpläne, die in der Präsentation überzeugend klingen, aber keinerlei Puffer für das Unerwartete vorsehen.
Das sind klassische Warnsignale. Und sie zeigen sich oft schon im Erstgespräch, wenn man genau hinhört.
Eine seriöse Agentur spricht offen über Unsicherheiten. Sie erklärt, welche Teile des Projekts gut schätzbar sind und welche nicht. Sie empfiehlt einen Discovery-Workshop bevor sie ein Festpreis-Angebot abgibt. Und sie macht keine Versprechungen bezüglich Timelines, die sie unter realistischen Bedingungen nicht einhalten kann.
Wenn ein Angebot auf Anhieb zu gut klingt, ist es das meistens nicht.
Das vielleicht unterschätzteste Kriterium. Eine exzellente OXID-Agentur kann nicht nur programmieren. Sie versteht auch, wie die digitale Plattform in Ihre bestehenden Prozesse eingebettet ist oder eingebettet werden muss.
ERP-Integration, PIM-Anbindung, Warehouse-Management, Checkout-Optimierung, Performance unter Last. Das sind Themen, bei denen eine gute Agentur mitdenkt, ohne dass man sie explizit dazu auffordern muss. Wer hingegen nur den technischen Auftrag abarbeitet und strategische Fragen ans Management zurückdelegiert, wird langfristig kein nützlicher Partner sein.
Fragen Sie also: Haben Sie schon an einem Replatforming-Projekt mitgearbeitet, bei dem neben der Technologie auch die Geschäftsprozesse neu strukturiert wurden? Was war dabei die größte Herausforderung?
Die Antwort darauf verrät viel.
Einige Warnsignale sind subtil, andere weniger. Achten Sie auf Folgendes:
Keines dieser Signale ist für sich allein ein K.o.-Kriterium. In der Kombination aber schon.
Die Agenturauswahl ist eine der folgenreichsten Entscheidungen im Rahmen eines E-Commerce-Projekts. Wer dabei ausschließlich auf Eigendarstellung und einige Referenzgespräche vertraut, geht ein erhebliches Risiko ein.
Gerade im Mittelstand fehlt intern oft die Kapazität, Angebote technisch tiefgehend zu evaluieren oder Agenturgespräche methodisch zu führen. Eine neutrale, unabhängige Beratung kann hier erheblichen Mehrwert schaffen: Sie kennt das OXID-Ökosystem, kann Angebote vergleichen und bewertet Agenturen ohne kommerzielle Abhängigkeit.
Im Rahmen unserer Webshop- und Agenturauswahl unterstützen wir Unternehmen dabei, genau diese Entscheidungen strukturiert und fundiert zu treffen. Das Ziel dabei ist immer dasselbe: Fehlentscheidungen und damit vermeidbare Investitionen verhindern.
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie wir Technologieberatung in der Praxis umsetzen, findet auf unserer Website eine Übersicht der relevanten Beratungsfelder.
Es gibt keine perfekte OXID-Agentur. Es gibt die Agentur, die zu Ihrem Vorhaben, Ihrer Branche und Ihrem Reifegrad als Digitalunternehmen passt.
Die Kriterien dafür sind nicht geheim. Sie erfordern aber eine strukturierte Herangehensweise, konkrete Fragen im Pitch und die Bereitschaft, genauer hinzusehen als es ein Erstgespräch erlaubt.
Wer das beherzigt, trifft bessere Entscheidungen. Und spart sich im Zweifel sehr viel Geld, Zeit und Nerven.
Bei Fragen zur strukturierten Agenturauswahl oder zu OXID-Projekten im B2B-Umfeld sprechen Sie uns gerne an. Einen ersten Überblick über unser Vorgehen finden Sie unter Umsetzungsbegleitung und Replatforming.

Alexander Steireif ist Gründer und Geschäftsführer der Strategie- und Technologieberatung Alexander Steireif GmbH. Seit über 20 Jahren unterstützt er mittelständische Unternehmen dabei, ihren Vertrieb zu digitalisieren, leistungsfähige E Commerce Lösungen aufzubauen und klare Strategien für nachhaltiges digitales Wachstum zu entwickeln.
Geschäftsführer
Alexander Steireif