Shopsystem wechseln

Ein Shopsystem Wechsel, auch Replatforming genannt, unterscheidet sich von einem reinen Update oder Web-Relaunch dadurch, dass die zugrunde liegende Systemarchitektur verändert wird. Häufig ist es mit einer Migration von Daten, einer Neutentwicklung der ERP-Integration und einer strategischen Neuausrichtung des E-Commerce verbunden.

Wenn Entscheider über das Shopsystem wechseln sprechen, dann oft in einem Tonfall, der von Pflicht eher als von Chance geprägt ist. Dabei wird leicht übersehen, dass ein E-Commerce Replatforming nicht lediglich die Neuentwicklung von Funktionalität bedeutet, sondern eine strategische Neuausrichtung des E-Commerce.

Ein Webshop ist heute weit mehr als eine Präsentationsschicht für Produkte.

Der Shop ist der organisatorischer Dreh- und Angelpunkt für Produktdarstellung, Kundensegmentierung, Prozessketten und die Anbindung in die Systemlandschaft. Insofern ist ein Webshop-System nicht einfach eine Software, sondern das operative Rückgrat des digitalen Umsatzkanals.

Diese strategische Bedeutung erklärt, warum ein Systemwechsel auch eine Wachstumschance ist: er erlaubt es, vorhandene Prozesse gründlich zu hinterfragen, Daten zu beseitigen und strukturelle Schwächen zu bereinigen. Zudem bieten neue Shop-Systeme häufig neue und innovative Funktionen.,

Es geht daher weniger darum, die aktuelle Systemlandschaft 1:1 zu ersetzen. Ein Shopsystem Wechsel ist der ideale Zeitpunkt, um veraltete und unnötige Prozesse zu korrigieren.

Zwei zentrale Treiber für den Wechsel:

  • Die immer kürzere Nutzungsdauer von E-Commerce-Plattformen: In der Praxis zeigt sich, dass viele Systeme bereits nach 3 - 5 Jahren an Grenzen stoßen, weil moderne Technologien nicht unterstützt werden oder Integrationen teuer und instabil sind.
  • Die strategische Neupositionierung von Plattformanbietern selbst: Produkte wie Shopware 6 basieren auf einer modernen Architektur, die traditionelle Versionen nicht einfach weiterentwickelt, sondern grundlegend neu gedacht hat. Dies gilt ebenso für  modulare Ansätze im Markt.

Ein Replatforming ist somit ein Wachstumstreiber und kein notwendiges Übel. Es geht daher nicht darum, bestehende Features in eine neue Software zu packen, sondern den nächsten Wachstumsschritt zu gehen.

Der richtige Zeitpunkt für den Shopsystem Wechsel

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Wechsel der Shop-Software bzw. E-Commerce Replatforming lässt sich nicht mit einem einzelnen Indikator beantworten. Vielmehr resultiert sie aus dem Nebeneinander von technischen Belastungsgrenzen und strategischen Wachstumszielen. Typische Indikatoren, die für einen Wechsel sprechen:

  • Entwicklungsteams investieren unverhältnismäßig viel Zeit in kleine Feature-Anpassungen
  • Performance bleibt ein bleibendes Thema trotz zusätzlicher Infrastruktur
  • Integrationen mit ERP und PIM werden teuer gewartet
  • ....

Auf den ersten Blick könnte man sagen, „das System funktioniert“. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass die Plattform die strategische Weiterentwicklung bereits limitiert. Gleichzeitig gibt es externe Auslöser, die den Handlungsdruck erhöhen. Das klassische Beispiel ist das End of Life von Shopware 5. Viele Händler wurden hier nicht aus Innovationsmotivation heraus aktiv, sondern weil Support, Sicherheitsupdates und Erweiterungen zeitlich begrenzt werden.

Der richtige Zeitpunkt liegt dort, wo Opportunitätskosten entstehen: Wenn das bestehende System nicht mehr die strategischen Ziele unterstützt, sondern nur noch technisch verwaltet werden kann. Dann ist es sinnvoller, Zeit und Budget in eine strukturelle Neuausrichtung zu investieren, statt ständig in Workarounds zu investieren. Denn technische Schulden wachsen exponentiell: Je länger ein Legacy-System betrieben wird, desto stärker sind individuelle Anpassungen, desto schlechter ist die Updatefähigkeit, desto höher ist der Integrationsaufwand.

Ein strategisch verstandenes Replatforming wird somit nicht durch einen einzelnen Trigger ausgelöst, sondern durch eine ganzheitliche Beurteilung von technischer Tragfähigkeit und strategischer Zielarchitektur.

Wichtige Begriffe & Definitionen

Erfahren Sie in unserem kostenfreien Whitepaper "eShop Replatforming - Ein Praxisleitfaden für IT Entscheider" wie der Wechsel Ihres Shopsystems methodisch und erfolgreich ablaufen kann. Wir geben Ihnen einen Einblick in unsere Erfahrung der letzten 20 Jahre.

Lastenheft (Request for Proposal / RFP)
Minimum Viable Product (MVP)
Big-Bang-Ansatz
Phased Rollout
Staging-Umgebung
Replatforming
Legacy-System
Datenmigration
Scope-Creep
End of Life (EOL)

Wie wechselt man das Shopsystem?

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40 Seiten Praxiswissen für IT-Entscheider, die vor einem eShop-Replatforming stehen, oder wissen wollen, ob es Zeit dafür ist. Der Leitfaden führt Sie in 6 Phasen durch den gesamten Prozess eines Systemwechsels. Von der ersten ehrlichen Bestandsaufnahme bis zur Skalierung nach dem Go-Live.

Überblick über den Inhalt

  • Woran Sie erkennen, dass ein Wechsel fällig ist
  • Wie Sie Ihre Anforderungen sauber dokumentieren und die IT von Anfang an einbinden
  • Worauf es bei der Marktrecherche ankommt
  • Wie Sie von der Longlist zur finalen Entscheidung kommen
  • Was bei Vertragsverhandlung & Agentursteuerung zählt
  • Warum das Projekt nach dem Launch erst richtig anfängt

Für wen ist das Whitepaper?

Für IT-Verantwortliche und Entscheider im Mittelstand, die einen Systemwechsel planen, mittendrin stecken oder die Entscheidung noch vor sich haben und dabei typische Fehler vermeiden wollen.

Wie wählt man die richtige Webshop Software aus?

Die Auswahl einer neuen Plattform ist keine Produktentscheidung im klassischen Sinne. Sie ist vielmehr eine strategische Transformationsentscheidung, die mittel- und langfristige Auswirkungen auf Organisation, Datenlandschaft und Geschäftsprozesse hat. Statt Feature-Vergleichen sollten Entscheider daher von einer klar definierten Zielarchitektur ausgehen.

Ein zentraler Ausgangspunkt ist das Verständnis des Geschäftsmodells:

  • Welche Prozesse müssen digital abgebildet werden?
  • Welche Integrationen sind essentiell (ERP, PIM, CRM, externe Services)?
  • Welche Internationalisierungs- und Skalierungsziele bestehen?

Sobald dieses Zielbild erarbeitet ist, lassen sich Systeme nicht mehr über einzelne Features vergleichen, sondern darüber, inwiefern sie die zukünftigen Anforderungen effizient, resilient und erweiterbar unterstützen.

Ein elementarer Bereich der Bewertung ist die Architektur: Moderne Plattformen folgen einem API-First-Ansatz und bieten Headless-Fähigkeiten. Das bedeutet, dass die Geschäftslogik klar von der Ausgabeschicht entkoppelt ist und Funktionen über standardisierte APIs verfügbar sind. Dies eröffnet nicht nur Flexibilität in der Kanalbedienung (z. B. mobile Frontends, progressive Web-Apps), sondern erhöht auch die Integrationsfähigkeit in bestehende Prozesse.

Die Wahl einer Plattform betrifft auch das Datenmodell und hier zeigt sich oft der Unterschied zwischen existierenden Legacy-Strukturen und modernen Anforderungen. Produktvarianten, kundenspezifische Preislogiken, Rollen- und Berechtigungssysteme oder Attribute müssen flexibel abbildbar sein, weil starre Modelle sonst zu Workarounds führen, die später migrationsrelevant werden.

Nicht zuletzt ist die wirtschaftliche Perspektive entscheidend. Die Lizenzkosten einer Plattform sind nur ein Teil der Total Cost of Ownership (TCO). Implementierung, Integration, Wartung, Skalierungsanforderungen und technische Ressourcen müssen in die Bewertung einfließen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Die Wahl einer Webshop-Software ist damit keine oberflächliche Projektentscheidung, sondern eine langfristige strategische Investition in die Zukunft des digitalen Vertriebs.

SaaS vs. On-Premises

Die Entscheidung zwischen SaaS und On-Premises ist im Kontext eines E-Commerce Replatforming eine strategische Grundsatzentscheidung. Sie bestimmt, wie viel Kontrolle ein Unternehmen über seine Systemarchitektur besitzt, wie tief Prozesse individualisiert werden können und wie stark man sich an die Roadmap eines Anbieters bindet.

SaaS-Plattformen wie Shopify folgen einem klaren Paradigma: Standardisierung schafft Einfachheit. Infrastruktur, Security, Updates und Skalierung liegen beim Anbieter. Das reduziert operative Komplexität erheblich und ermöglicht schnelle Implementierungen. Besonders im D2C-Umfeld oder bei klar strukturierten Geschäftsmodellen kann dieser Ansatz enorme Geschwindigkeitsvorteile erzeugen.

Self-Hosted-Systeme, ob On-Premise oder in einer dedizierten Cloud-Umgebung, verschieben Verantwortung und Gestaltungshoheit hingegen in Richtung des Unternehmens. Architektur, Deployment, Performance-Optimierung und Integrationslogik werden nicht vom Plattformanbieter limitiert, sondern können vollständig kontrolliert werden.

Die zentrale Frage lautet daher bei der Entscheidung: Wer trägt die Verantwortung für Stabilität, Weiterentwicklung und Integrationsfähigkeit?

Der strategische Zielkonflikt

SaaS-Systeme wie Shopify oder BigCommerce bieten primär: Klarheit, Planbarkeit und schnelle Time-to-Market.

Sie begrenzen jedoch bewusst die Individualisierungstiefe, um Systemstabilität für alle Kunden sicherzustellen. API-Limits, standardisierte Datenmodelle und definierte Erweiterungsmechanismen sind keine Schwächen, sie sind Teil des Geschäftsmodells.

Self-Hosted-Systeme ermöglichen hingegen nahezu unbegrenzte Individualisierung. Das schafft Differenzierung, erhöht aber auch das Risiko technischer Schulden. Über Jahre gewachsene Custom-Logiken, proprietäre Module und komplexe Plugin-Landschaften erschweren spätere Migrationen erheblich.

Im Kern geht es also um einen klassischen Zielkonflikt:

  • Geschwindigkeit vs. Kontrolle
  • Standardisierung vs. Individualisierung
  • Planbare Kosten vs. architektonische Freiheit

Dieser Konflikt muss bewusst entschieden werden, nicht implizit durch kurzfristige Budgetüberlegungen.

Kritische Prüfung im B2B

Im B2B E-Commerce verschärft sich diese Entscheidung erheblich. Anders als im klassischen Direct to Consumer sind hier nicht primär Marketing-Features entscheidend, sondern Integrationsfähigkeit und Prozessabbildung. B2B-Commerce ist eng verzahnt mit ERP-Systemen, Preislogiken, Kundenhierarchien, Genehmigungsprozessen und Kreditlimits. Häufig ist das ERP das führende System, der Webshop fungiert als transaktionale Oberfläche.

Cloud-Plattformen operieren jedoch auf standardisierten Datenmodellen. Individuelle Preisberechnungen oder kundenspezifische Workflows müssen entweder innerhalb der Plattformlogik realisiert oder über Middleware ergänzt werden. Wenn API-Limits oder eingeschränkte Datenbankzugriffe bestehen, wird jede Abweichung vom Standard zu einem Architekturprojekt.

Besonders kritisch wird es bei bidirektionalen ERP-Kopplungen. Viele gewachsene ERP-Systeme sind nicht API-first konzipiert. Sie arbeiten batchbasiert oder mit proprietären Schnittstellen. Eine SaaS-Plattform zwingt hier oft zur Anpassung des ERP-Prozesses an die Plattformlogik, nicht umgekehrt. Das kann zu langfristiger technischer Abhängigkeit führen.

Hinzu kommt das Thema Datenhoheit:

  • In SaaS-Modellen sind direkte Datenbankzugriffe nicht möglich.
  • Migration von Daten, Reporting-Anpassungen oder spezielle ETL-Prozesse sind auf bereitgestellte APIs angewiesen.

Für Unternehmen, die ihre Daten als strategisches Asset verstehen, ist das ein relevanter Faktor.

Im B2B-Bereich sollte die Entscheidung „Cloud vs. On-Premise“ daher besonders kritisch geprüft werden.

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Sonderfall B2B: Wenn Komplexität der Normalfall ist

Während viele Systemdiskussionen aus dem D2C-Kontext heraus geführt werden, sieht die Realität im Mittelstand häufig anders aus. Gerade im B2B-Umfeld ist E-Commerce kein reines Marketing- oder Conversion-Thema, sondern primär ein Integrations- und Prozessprojekt. Wer diese strukturelle Besonderheit unterschätzt, wählt häufig ein System, das im Frontend überzeugt, im Backend jedoch langfristige Probleme erzeugt.

Im B2B-Commerce ist der Webshop selten das führende System. In der Regel übernimmt das ERP diese Rolle. Preislogiken, individuelle Konditionen, Rabattrahmenverträge, Zahlungsziele oder Kreditlimits entstehen im ERP und müssen konsistent in den Commerce-Layer überführt werden. Der Webshop ist somit nicht der Ursprung der Geschäftslogik, sondern deren digitale Oberfläche.

Integrations-Tiefe statt Frontend-Optimierung

Im B2C-Kontext liegt der Fokus häufig auf Conversion-Optimierung, Customer Experience und Marketing-Automatisierung. Im B2B-Bereich hingegen entscheidet die Integrationsarchitektur über den Erfolg. Sobald Prozesse bidirektional zwischen ERP und Shop laufen, entstehen Anforderungen, die weit über klassische Shop-Funktionalitäten hinausgehen.

Typische Herausforderungen sind:

  • kundenspezifische Preislisten in großer Anzahl
  • individuelle Sortimente pro Kunde
  • projektbezogene Sonderkonditionen
  • komplexe Staffelpreislogiken
  • Freigabe- und Genehmigungsprozesse
  • Mehrbenutzerkonten innerhalb eines Unternehmens

Diese Anforderungen sind keine optionalen Features, sondern operativer Kern des Geschäftsmodells. Wenn sie nur über Zusatzmodule oder Sonderentwicklungen abgebildet werden können, entsteht langfristig eine fragile Architektur.

Datenvolumen und Performance als Architekturfrage

Ein häufig unterschätzter Aspekt im B2B-Umfeld ist das Datenvolumen. Wenn tausende Kunden jeweils individuelle Preislisten besitzen, entstehen Millionen potenzieller Preisbeziehungen. Die Frage ist dann nicht, ob ein System „Preisregeln unterstützt“, sondern wo und wie diese Preise berechnet werden.

  • Wird die Preislogik im ERP berechnet und an den Shop übergeben?
  • Erfolgt die Berechnung kontextbasiert im Shop selbst?
  • Oder wird eine Middleware dazwischengeschaltet?

Diese Entscheidung wirkt sich direkt auf Performance, Wartbarkeit und Fehleranfälligkeit aus. Systeme mit restriktiven API-Limits oder stark standardisierten Datenmodellen können hier an strukturelle Grenzen stoßen. Gerade bei hoher Transaktionslast wird Architektur zur Kernfrage.

Cloud im B2B: Effizienz oder Limitierung?

Standardisierte SaaS-Plattformen bieten Geschwindigkeit und Planbarkeit. Im B2B-Kontext muss jedoch geprüft werden, ob diese Standardisierung mit den Integrationsanforderungen vereinbar ist.

Wenn bidirektionale ERP-Kopplungen notwendig sind oder individuelle Geschäftslogiken tief in das System eingreifen, können API-Beschränkungen und eingeschränkte Datenbankzugriffe problematisch werden. Die Anpassung des ERP an die Plattformlogik ist in vielen Fällen strategisch riskanter als umgekehrt.

Das bedeutet nicht, dass Cloud-Systeme im B2B ungeeignet sind. Es bedeutet jedoch, dass die Integrationsarchitektur kritisch geprüft werden muss. Standardisierung darf nicht auf Kosten von Prozessstabilität erfolgen.

Mittelstand: Zwischen Effizienz und Individualität

Der Mittelstand befindet sich häufig in einem Spannungsfeld. Einerseits besteht der Wunsch nach Effizienz, Planbarkeit und schlanken IT-Strukturen. Andererseits sind Geschäftsmodelle historisch gewachsen und stark individualisiert.

Typische Merkmale mittelständischer B2B-Strukturen sind:

  • ERP-zentrierte Prozesslandschaften
  • individuelle Preis- und Rabattlogiken
  • persönliche Vertriebsstrukturen mit Außendienst
  • hohe Produktkomplexität
  • lange Kundenbeziehungen

Ein Shopsystem muss diese Realität strukturell abbilden können. Gleichzeitig darf die Architektur nicht unnötig komplex werden. Genau hier entscheidet die Systemkategorie und nicht primär das Frontend.

Strategische Konsequenz

Im B2B-Mittelstand ist die Webshopauswahl primär eine Integrationsentscheidung. Wer Systeme anhand von Design oder Marketingfeatures bewertet, unterschätzt die eigentliche Komplexität.

Die relevanten Fragen lauten:

  • Wie tief muss das ERP integriert werden?
  • Wo liegt die Preislogik?
  • Wie werden Rollen- und Freigabeprozesse technisch abgebildet?
  • Ist die Plattform langfristig erweiterbar?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann eine fundierte Systementscheidung getroffen werden. B2B-Commerce ist kein Sonderfall am Rand, er ist im Mittelstand häufig der strukturelle Kern.

Was für Arten Shopsysteme gibt es?

Der Markt für E-Commerce-Plattformen ist heute deutlich fragmentierter und dynamischer als noch vor wenigen Jahren. Die klassische Unterscheidung zwischen „KMU-System“ und „Enterprise-Suite“ ist kaum noch trennscharf. API-first-Architekturen, modulare Systeme und Composable-Commerce-Ansätze haben dazu geführt, dass Mid-Market-Plattformen Funktionen bieten, die früher Enterprise vorbehalten waren.

SaaS und Cloud

Diese Plattformen priorisieren Geschwindigkeit, Standardisierung und planbare Betriebskosten. Infrastruktur, Security und Updates werden vom Anbieter verantwortet.

  • Shopify: Marktführer im SaaS-Bereich. Stark im D2C-Segment, mit Shopify Plus auch im Enterprise-Bereich. Sehr schnelles Time-to-Market, jedoch eingeschränkte Backend-Flexibilität und API-Limits bei hoher Komplexität.
  • BigCommerce: Ebenfalls SaaS-basiert, stärker API-orientiert als Shopify. Positioniert sich als flexible Cloud-Lösung für Mid-Market und Enterprise.
  • Salesforce Commerce Cloud: Enterprise-SaaS-Lösung mit starker CRM-Integration. Hohe Lizenzkosten, komplexe Implementierung, stark im internationalen Retail-Umfeld.

Enterprise Lösungen

Diese Plattformen bieten maximale Individualisierung, sind jedoch komplexer in Architektur und Betrieb.

  • Adobe Commerce: (ehemals Magento Commerce): Stark individualisierbar, große Entwicklerbasis, jedoch hoher Implementierungs- und Wartungsaufwand.
  • SAP Commerce Cloud: Enterprise-Lösung mit starker ERP-Integration. Besonders im B2B-Umfeld verbreitet.
  • commercetools: Headless-First-Ansatz, rein API-basiert. Ideal für Composable-Architekturen mit hoher Individualisierung.
  • Intershop: Enterprise-Lösung mit Schwerpunkt auf komplexen B2B-Szenarien. Starke Funktionsbasis für Multi-Channel und internationale Rollouts, langjährig etabliert im gehobenen Mittelstand und Großkundengeschäft.

Mid-Market mit API-first-Ansatz

Diese Systeme bewegen sich zwischen klassischem Mittelstand und Enterprise, mit zunehmender Headless-Fähigkeit.

  • Shopware 6: API-first-Architektur, modularer Aufbau, stark im DACH-Raum, zunehmend international positioniert. Geeignet für Mid-Market bis gehobene Enterprise-Szenarien.
  • Spryker: Stark im Composable-Commerce-Bereich. Sehr flexibel, jedoch komplex in Implementierung und Betrieb.
  • SCAYLE: Aus dem ABOUT YOU-Umfeld entstanden. Enterprise-orientierte Commerce-Plattform mit starkem Fokus auf Skalierung.

Legacy- und Übergangssysteme

Diese Systeme sind teilweise noch stark im Bestand vertreten, verlieren jedoch an Marktanteil oder Innovationsdynamik.

  • Shopware 5: Historisch stark im Mittelstand, mittlerweile End-of-Life.
  • OXID eShop: Klassische PHP-basierte Lösung mit schrumpfender Marktpräsenz.
  • PrestaShop: International verbreitetes Open-Source-System, eher im KMU-Segment.

Shopsysteme

In unserer Shopsystem Datenbank finden Sie eine umfassende Übersicht über alle aktuell relevanten B2C und B2B Shopsysteme für Deutschland. Österreich und die Schweiz.

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Shopsysteme Marktanteile weltweit

B2B Kundenportal Statistik
Weltweite Marktanteile der E-Commerce Lösungen. Quelle: https://brainspate.com/blog/ecommerce-platforms-market-share/

Warum Mid-Market und Enterprise verschwimmen

Die Grenzen zwischen diesen Segmenten lösen sich aus drei Gründen auf:

  • Architektur-Demokratisierung: API-first ist nicht mehr Enterprise-exklusiv.
  • Wachsende Mittelständler: Unternehmen mit 50-200 Mio. Umsatz erwarten Enterprise-Funktionalitäten.
  • Cloud-Infrastruktur: Skalierung ist heute primär Software-Architektur, nicht Hardware-Frage.

Ein Unternehmen kann daher nicht mehr allein anhand seines Umsatzes entscheiden, welches System geeignet ist. Entscheidend sind:

  • Integrationsanforderungen
  • Internationalisierungsstrategie
  • B2B-Komplexität
  • Organisationsreife im DevOps-Bereich
  • TCO-Perspektive über fünf Jahre

Genau hier zeigt sich, warum ein Shopsystem wechseln immer eine strategische Architekturentscheidung ist, keine Produktwahl aus einem Feature-Katalog.

Ein prägnantes Beispiel für diese Verschiebung ist die Entwicklung von Shopware 6. Während Shopware 5 stark im deutschsprachigen Mittelstand verwurzelt war, positioniert sich Shopware 6 internationaler, API-first-orientiert und stärker im gehobenen Mid-Market bis Enterprise. Parallel dazu hat Shopify mit „Shopify Plus“ eine Enterprise-Variante geschaffen, bleibt jedoch konsequent im SaaS-Modell. Das System bietet hohe Geschwindigkeit, ist jedoch in Individualisierung und Integrationsarchitektur bewusst standardisiert.

Im Enterprise-Segment agieren Plattformen wie Adobe Commerce, die historisch aus komplexen Architekturen stammen und zunehmend modulare Ansätze verfolgen. Darüber hinaus existieren spezialisierte Lösungen für B2B, Marktplätze oder Composable-Commerce-Setups, die Headless-Architekturen priorisieren und Microservices-orientiert aufgebaut sind.

Aktuelle Top Migrationen

Der Wechsel von Webshop-Lösungen kommt häufig in Zyklen, beispielsweise wenn Hersteller populäre Versionen in das End of Life Stadium versetzten. Passiert so etwas, brechen Migrationswellen los und neue Lösungen werden gesucht. Genau dies gibt es gerade bei den Herstellern Shopware, OXID, Magento / Adobe und Shopify.

OXID eShop ablösen
Shopware 5 auf Shopware 6
Shopware 5 auf ein anderes Shopsystem
Shopify auf ein anderes Shopsystem
Shopware 6 auf Shopify
Shopify auf BigCommerce
Magento 2 auf Shopware 6
Magento 2 auf BigCommerce
Magento 2 auf Shopify
Adobe Commerce auf Shopware 6
Shopware 6 auf BigCommerce
Adobe Commerce auf Shopify Plus
Adobe Commerce auf BigCommerce
Intershop auf BigCommerce
Intershop auf Shopify Plus
SAP Commerce Cloud auf Shopify Plus
SAP Commerce Cloud auf commercetools
Salesforce Commerce Cloud auf Shopify Plus
Salesforce Commerce Cloud auf commercetools
WooCommerce auf Shopify
WooCommerce auf Shopware 6
OXID eShop auf Shopware 6
OXID eShop auf Shopify
Spryker auf commercetools

4 Schritte für einen erfolgreichen Wechsel Shops

Replatforming-Projekte scheitern selten an fehlender Technologie. Sie scheitern an unklarer Zieldefinition und unstrukturiertem Vorgehen. Ein belastbarer Prozess folgt fünf klaren Phasen.

1.) Zielarchitektur definieren

Vor jeder Systemauswahl muss das Zielbild definiert werden. Dazu gehören:

  • Rolle des digitalen Vertriebs in fünf Jahren
  • Internationalisierungsstrategie
  • B2B- oder D2C-Fokus
  • Integrationsarchitektur (ERP-zentriert oder Commerce-zentriert)
  • gewünschter Grad an Headless- oder API-First-Architektur

Ohne dieses Zielbild wird die Systemwahl reaktiv.

3.) Plattform-Evaluation

Die Systemauswahl darf nicht featuregetrieben erfolgen. Entscheidend ist die Total Cost of Ownership über mindestens fünf Jahre.

Zu bewerten sind unter anderem:

  • Lizenz- oder Transaktionsmodelle
  • Integrationsaufwand & Wartungsintensität
  • Release-Management & Entwicklerverfügbarkeit

Gerade im Kontext von Plattformwechseln wie dem Übergang von Shopware 5 müssen

2.) Ist-Analyse

In dieser Phase wird das bestehende System systematisch analysiert. Plugins, individuelle Module, Schnittstellen, Datenstrukturen und Performance-Muster werden dokumentiert.

Typischerweise zeigt sich, dass ein erheblicher Teil der Funktionalität historisch gewachsen ist und nicht zwingend übernommen werden muss. Genau hier liegt die Chance, „alte Zöpfe abzuschneiden“ und Prozesse radikal zu vereinfachen.

4.) Implementierung

Ein kontrollierter Go-Live ist entscheidend. Performance-Tests, SEO-Migrationen, Redirect-Mapping und Monitoring müssen strukturiert erfolgen.

Ein Replatforming endet nicht mit dem Launch, die Stabilisierung ist integraler Bestandteil des Projekts.

Self Assesment

Replatforming-Projekte scheitern selten an fehlender Technologie. Sie scheitern an unklarer Zieldefinition und unstrukturiertem Vorgehen. Ein belastbarer Prozess folgt fünf klaren Phasen.

1Standortbestimmung
2Anforderungsprofil
3Kostenrahmen
4Empfehlung

Standortbestimmung

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Systemwechsel?

Sechs Fragen zu Ihrer aktuellen Plattform. Ihre Antworten fließen in alle weiteren Schritte ein.

Anforderungsprofil

Welche Lösung passt zu Ihren Anforderungen?

Technologieoffen gedacht: Ihr Profil bestimmt die sinnvolle Architektur-Kategorie und konkrete Systeme – nicht umgekehrt.

Kostenrahmen

Grobe Orientierung zu den Gesamtkosten

Eine erste Spanne über 3 Jahre (TCO) – inklusive der Posten, die erfahrungsgemäß unterschätzt werden.

Unverbindliche Orientierungswerte auf Basis typischer Mittelstandsprojekte – keine Angebotsgrundlage. Reale Kosten hängen von Funktionsumfang, Integrationen und Datenmigration ab. Das Betriebsmodell (SaaS vs. self-hosted) ergibt sich aus Ihrer Angabe zur Datenkontrolle in Schritt 2.

Ihre Empfehlung

Ihre persönliche Replatforming-Einschätzung

Zusammenfassung aus Ihren Angaben – technologieoffen und als Diskussionsgrundlage gedacht.

Ein häufiger Fehler: Keine neutrale Instanz einbinden

Ein strukturell wiederkehrender Fehler bei der Webshop- und Agenturauswahl ist der Verzicht auf eine neutrale, unabhängige Perspektive. Viele Unternehmen steuern den Auswahlprozess intern, häufig durch Geschäftsführung, IT oder Marketing und holen Angebote direkt bei Agenturen oder Systemanbietern ein. Diese Vorgehensweise ist nachvollziehbar, erzeugt jedoch ein Informationsungleichgewicht.

Agenturen argumentieren naturgemäß aus ihrer technologischen und methodischen Perspektive. Plattformanbieter positionieren ihre Lösung als strategisch passend. Ohne tiefgehende Marktkenntnis und Erfahrung aus vergleichbaren Projekten ist es für Entscheider schwierig, Architekturvorschläge, Aufwandsschätzungen und Integrationskonzepte objektiv zu bewerten.

Das Risiko besteht weniger in offensichtlichen Fehlentscheidungen als in strukturellen Weichenstellungen, die erst Jahre später spürbar werden, etwa durch begrenzte Erweiterbarkeit, unterschätzte Integrationskosten oder implizite Abhängigkeiten von bestimmten Technologie-Stacks.

Eine neutrale Voranalyse oder strategische Begleitung in der Auswahlphase kann dieses Risiko erheblich reduzieren. Sie schafft Vergleichbarkeit zwischen Angeboten, schärft Anforderungen und trennt Systementscheidung von Anbieterinteressen. Gerade bei integrationsintensiven Projekten im Mittelstand ist diese Vorstufe kein Zusatzaufwand, sondern Risikomanagement.

Aus unserem Blog

Wir berichten regelmäßig in unserem Blog zum Thema Replatforming und Shopmigrationen.

E-Commerce Blog
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Kosten für eine Migration & Hidden Costs

Die Kosten eines Replatforming-Projekts werden regelmäßig unterschätzt, weil nur Implementierung und Lizenz betrachtet werden. Tatsächlich ist eine TCO-Perspektive über fünf Jahre erforderlich.

Direkte Projektkosten

  • Konzeption und Architektur
  • Implementierung
  • Customizing
  • Datenmigration
  • ERP-/PIM-Integration
  • Testing

Hidden Costs

Neben den sichtbaren Projekt- und Implementierungskosten entstehen im Rahmen eines E-Commerce Replatforming regelmäßig indirekte Aufwände, die in Budgetplanungen oft unzureichend berücksichtigt werden, jedoch maßgeblich über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit entscheiden.

  • Technische Schulden: Individuelle Logiken müssen analysiert, dokumentiert und transformiert werden. Je komplexer das Altsystem, desto höher der Aufwand.
  • SEO-Verluste: Unsaubere URL-Migration oder fehlende Redirects können signifikante Sichtbarkeitsverluste verursachen, mit direkter Umsatzwirkung.
  • Interne Ressourcenbindung: Management, IT und Fachabteilungen sind monatelang gebunden. Diese Opportunitätskosten sind real.
  • Parallelbetrieb: Temporäre Doppelstrukturen erhöhen Infrastrukturkosten. Eine fundierte Wirtschaftlichkeitsanalyse vergleicht nicht nur Projektkosten, sondern auch die Kosten des Nicht-Handelns: steigende Wartungskosten, Innovationsverlust und Integrationshemmnisse.

Kostenfreies Whitepaper

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Der große E-Commerce Systemvergleich

Die Auswahl eines E-Commerce-Systems ist keine Tool-Entscheidung, sondern eine Architektur- und Risikoentscheidung. Viele Unternehmen unterschätzen Integrationen, Betriebskosten und Abhängigkeiten und zahlen später mit Geschwindigkeit, Sicherheit und Budget.

Überblick über den Inhalt

  • Woran Sie erkennen, dass ein Wechsel fällig ist
  • Wie Sie Ihre Anforderungen sauber dokumentieren und die IT von Anfang an einbinden
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Für wen ist das Whitepaper?

Für IT-Verantwortliche und Entscheider im Mittelstand, die einen Systemwechsel planen, mittendrin stecken oder die Entscheidung noch vor sich haben und dabei typische Fehler vermeiden wollen.

Go-Live Strategien im Überblick

Welcher Ansatz der richtige ist, hängt nicht von Vorlieben ab, sondern von der Integrationstiefe und dem Schaden, der bei einem Totalausfall am Stichtag entsteht. Genau an diesem Punkt tendieren Umsetzungspartner aus Aufwandsgründen häufig zum Big Bang, während für das Unternehmen der schrittweise Weg meist die wirtschaftlich sicherere Wahl ist.

Big-Bang-Ansatz

Beim Big-Bang-Wechsel wird das Altsystem zu einem festen Stichtag abgeschaltet und die neue Plattform für alle Nutzer gleichzeitig live genommen.

Der Vorteil liegt in der minimalen Doppelpflege von Daten und einem klaren Schnitt. Der Preis dafür ist das höchste operative Risiko: Tritt ein unvorhergesehener Fehler auf, betrifft er sofort das gesamte Bestellgeschäft, und ein Rollback ist im laufenden Betrieb kaum sauber möglich.

Sinnvoll ist dieser Ansatz vor allem bei überschaubarer Integrationstiefe und sauberer Datenlage, etwa in klar strukturierten D2C-Szenarien.

Phased Rollout

Beim Phased Rollout wird die neue Plattform schrittweise ausgerollt, beispielsweise getrennt nach Kundengruppen, Sortimenten oder Ländermärkten.

Das senkt das Ausfallrisiko deutlich, weil ein Fehler immer nur einen abgegrenzten Teil des Geschäfts trifft und korrigiert werden kann, bevor der nächste Schritt folgt. Im Gegenzug steigt temporär die Komplexität, da Alt- und Neusystem parallel betrieben und Daten synchron gehalten werden müssen.

Dieser Ansatz ist der Regelfall im integrationsintensiven B2B-Mittelstand mit bidirektionaler ERP-Kopplung.

MVP & iterativer Go-Live

Der MVP-Ansatz bringt zuerst eine funktionsfähige Version mit den geschäftskritischen Kernfunktionen live, etwa Checkout und Bestellübermittlung, und baut den Funktionsumfang danach iterativ aus.

Damit bricht er mit dem riskanten Muster, ein Replatforming über Jahre im Stillen bis zur vermeintlichen Perfektion zu entwickeln. Der frühe Realbetrieb liefert echtes Nutzerfeedback und reduziert Fehlinvestitionen in Funktionen, die niemand braucht.

Voraussetzung ist eine Organisation, die mit kontinuierlicher Weiterentwicklung statt mit einem einmaligen Projektabschluss umgehen kann.

Risikomanagement

Unabhängig von System- und Partnerwahl entstehen bei E-Commerce-Projekten wiederkehrende strukturelle Risiken. Diese betreffen nicht primär Technologie, sondern Projektorganisation, Datenstruktur und Entscheidungslogik. Ein professioneller Auswahlprozess berücksichtigt diese Risiken bereits vor Projektstart.

Risiko 1: Unklare Zieldefinition

Ein zentrales Risiko liegt in einer unzureichend definierten Zielarchitektur. Wenn nicht eindeutig festgelegt ist, welche Rolle der digitale Vertrieb künftig einnehmen soll, entstehen widersprüchliche Anforderungen. Das führt zu Prioritätskonflikten, Budgetverschiebungen und technischen Kompromissen.

Typische Symptome sind:

  • Erweiterung des Projektumfangs während der Umsetzung
  • fehlende Abgrenzung zwischen „Must-have“ und „Nice-to-have“
  • strategische Diskussionen erst während der Implementierung
  • Eine saubere Voranalyse reduziert dieses Risiko erheblich.

Risiko 2: Scope-Creep

Scope-Creep beschreibt die schleichende Erweiterung des Projektumfangs ohne Anpassung von Budget oder Zeitplan. Besonders bei komplexen Integrationen tritt dieses Phänomen häufig auf. Neue Anforderungen entstehen während der Umsetzung, weil Abhängigkeiten erst spät sichtbar werden.

Ursachen sind meist:

  • unvollständige Anforderungsdefinition
  • fehlende Priorisierung
  • unklare Entscheidungswege

Ein strukturierter Projektprozess mit klarer Governance ist entscheidend, um diese Dynamik zu kontrollieren.

Risiko 3: Daten- und Integrationskomplexität

Gerade im Mittelstand sind Datenstrukturen historisch gewachsen. Produktattribute, Preisregeln und Kundendaten sind häufig inkonsistent oder nicht dokumentiert. Ein neues System macht diese Schwächen sichtbar.

Ohne vorherige Analyse entstehen:

  • fehlerhafte Migrationen
  • Performance-Probleme
  • Inkonsistenzen zwischen ERP und Shop
  • erhöhter Supportaufwand nach Go-Live
  • Datenqualität ist daher kein nachgelagertes Thema, sondern Bestandteil der Systembewertung.

Risiko 4: Fehlende organisatorische Verankerung

Ein Webshop ist nicht nur Technologie, sondern Teil der operativen Organisation. Wenn Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege nicht klar definiert sind, bleibt das System technisch funktionsfähig, wird aber strategisch nicht ausgeschöpft.

Insbesondere relevant sind:

  • klare Zuständigkeit für Produktdaten
  • definierte Verantwortlichkeit für Weiterentwicklung
  • regelmäßige Performance- und KPI-Analyse

Ohne organisatorische Verankerung bleibt selbst eine leistungsfähige Plattform unter ihren Möglichkeiten.

Change Management

Technologie ist bei einem E-Commerce Replatforming selten der kritischste Erfolgsfaktor. Systeme lassen sich migrieren, Daten transformieren, Schnittstellen bauen. Was sich deutlich schwerer transformieren lässt, sind Denkweisen, Gewohnheiten und Organisationsstrukturen.

Widerstand

Jede Migration greift bestehende Routinen an. Mitarbeitende haben sich über Jahre an bestimmte Workflows, Admin-Oberflächen und manuelle Prozesse gewöhnt.

Ein neues System bedeutet: neue Bedienlogiken, neue Rollenverteilungen, neue Verantwortlichkeiten und teilweise Wegfall bisheriger Aufgaben.

Gerade im B2B-Umfeld kann dies besonders sensibel sein. Außendienstmitarbeitende sehen B2B Self-Service-Portale nicht selten als Konkurrenz. Sachbearbeitende verlieren manuelle Auftragsbearbeitungsschritte. Marketing-Teams müssen neue Tracking-Setups verstehen.

Wird dieser kulturelle Wandel nicht aktiv gesteuert, entsteht stiller Widerstand. Das System wird zwar technisch implementiert, aber operativ nicht vollständig genutzt.

Schulungen

Neue Systeme werden häufig technisch sauber implementiert, aber unzureichend geschult. Das führt zu ineffizienter Nutzung oder Rückfall in alte Prozesse.

Schulung muss mehr sein als eine einmalige Systemdemonstration. Sie sollte beinhalten:

  • Rollenbasierte Trainings
  • Prozessbezogene Schulungen
  • Dokumentierte Best Practices
  • kontinuierliche Enablement-Formate

Ein modernes Commerce-System entfaltet seinen Wert nur, wenn es operativ verstanden wird. Ein Shopsystem-Wechsel ist kein IT-Projekt mit Business-Beteiligung. Es ist ein Business-Projekt mit IT-Dimension.

Governance-Struktur

Ein erfolgreiches Replatforming benötigt klare Verantwortlichkeiten. Dazu gehören:

  • ein Business Owner mit Entscheidungsbefugnis
  • ein technischer Architekturverantwortlicher
  • klar definierte Eskalationswege
  • transparente Priorisierung

Fehlt diese Struktur, entstehen Reibungsverluste zwischen IT und Fachabteilungen. Scope-Creep, Verzögerungen und Frustration sind die Folge.

Organisationsreife-Test

Ein Systemwechsel legt Schwächen offen. Unklare Prozesse, fehlende Datenverantwortlichkeiten oder intransparente Entscheidungsstrukturen werden im Projekt sichtbar. Das ist kein Risiko, sondern eine Chance.

Unternehmen, die Replatforming als organisatorische Weiterentwicklung begreifen, profitieren langfristig. Die Migration wird zum Katalysator für klarere Governance, sauberere Datenprozesse und definierte Verantwortlichkeiten.

Technische Transformation ohne organisatorische Transformation bleibt unvollständig.

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir setzen uns schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung.
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Füllen Sie gerne das nebenstehende Kontaktformular aus, oder schreiben Sie uns alternativ eine E-Mail. Sie können sich natürlich auch gerne telefonisch bei uns melden.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Informationen Sie uns bereitstellen können, desto besser können wir uns vorbereiten.

Wir setzen uns anschließend so schnell wie möglich, in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Werktagen, mit Ihnen in Verbindung, um einen Termin zum Kennenlernen zu vereinbaren.

Im ersten Termin besprechen wir Ihr Projektvorhaben in Ruhe: wahlweise persönlich, telefonisch oder per Videocall.

Fazit & Ausblick

Ein Shopsystem wechseln ist keine rein technische Maßnahme. Es ist eine strategische Entscheidung mit Auswirkungen auf Architektur, Organisation, Integrationslogik und Geschäftsmodell.

Moderne E-Commerce-Systeme haben eine Lebensdauer von etwa drei bis fünf Jahren. Herstellerstrategien, technologische Innovationszyklen und veränderte Marktanforderungen verkürzen diese Zeitspanne weiter. Wer Migration ausschließlich als notwendiges Übel betrachtet, reagiert zu spät. Ein Shopsystemwechsel ist eine Gelegenheit zur strukturellen Neuausrichtung.

Es ist der Moment, in dem:

  • technische Schulden reduziert werden
  • Integrationsarchitekturen modernisiert werden
  • Prozesse radikal vereinfacht werden
  • Datenmodelle bereinigt werde
  • organisatorische Verantwortung neu definiert wird

Besonders im B2B E-Commerce entscheidet die Architekturwahl über langfristige Skalierbarkeit. Cloud vs. On-Premise ist hier keine Ideologiefrage, sondern eine Integrationsentscheidung. Die Marktlandschaft zeigt deutlich: Plattformen verändern sich, Zielgruppen verschieben sich, Mid-Market und Enterprise verschwimmen.

Systeme wie Shopware 6 sind keine Nachfolger ihrer Vorgänger, sondern architektonisch neu positionierte Lösungen. Unternehmen müssen diese Verschiebung strategisch bewerten.

Die größte Gefahr liegt nicht im Systemwechsel selbst. Sie liegt im Nicht-Handeln. Technische Schulden wachsen exponentiell. Entwicklerverfügbarkeiten verändern sich. Integrationsanforderungen steigen.

Ein strukturiertes E-Commerce Replatforming ist deshalb keine reine Maßnahme, sondern eine Investition in:

  • Skalierbarkeit
  • Innovationsgeschwindigkeit
  • Integrationsfähigkeit
  • organisatorische Reife
  • Zukunftssicherheit

Wer Migration als Transformationsprojekt begreift und nicht als reines IT-Upgrade, schafft die Grundlage für nachhaltiges  Wachstum.

FAQ - Shopsystem wechseln

Wann sollte man ein Shopsystem wechseln?
Ist die Migration auf den Nachfolger automatisch der richtige Schritt?
Welche Risiken bestehen bei einer Shop-Migration?
Ist jedes System für jedes Geschäftsmodell geeignet?
Wie lange dauert ein E-Commerce Replatforming?
Welche Investitionen erfordert der Wechsel des Shopsystems?
Muss bei einem Shopsystem-Wechsel alles neu entwickelt werden?
Wie vermeidet man SEO-Verluste beim Shopsystem-Wechsel?
Ist ein Replatforming auch ohne Agentur möglich?
Wie bereitet man ein E-Commerce Replatforming strategisch vor?