14.04.2025

Wer eine Shopware Agentur sucht, steht vor einer anderen Herausforderung als bei vielen anderen E-Commerce-Plattformen wie beispielsweise BigCommerce: Der Markt ist vergleichsweise groß. Shopware ist im deutschsprachigen Raum mit Abstand eines der meistgenutzten Shopsysteme. Entsprechend gibt es im offiziellen Shopware Solution Partner-Verzeichnis mehrere hundert zertifizierte Agenturen allein für die DACH-Region. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an Agenturen, die keinen offiziellen Partnerstatus haben, aber dennoch Dienstleistungen anbieten.
Das klingt zunächst nach einem Vorteil. In der Praxis ist es jedoch genau das Gegenteil: Die Vielzahl an Anbietern macht eine fundierte Auswahl nicht einfacher, sondern schwieriger. Denn hinter dem Label "Shopware Agentur" verbergen sich Anbieter mit sehr unterschiedlichem Kompetenzprofil: Von der kleinen Webagentur, die nebenbei Shopware-Projekte betreut, bis zur spezialisierten E-Commerce-Agentur mit tiefer Expertise und eigenen Entwicklungsteams.
Shopware ist eine äußerst umfangreiche E-Commerce Plattform. Shopware 6, die aktuelle Hauptversion, basiert auf einem modernen Technologie-Stack:
Diese Architektur erlaubt außergewöhnliche Flexibilität, setzt aber gleichzeitig voraus, dass die umsetzende Agentur die technischen Grundlagen wirklich beherrscht.
Studien zu Plattform- und Shopmigrationsprojekten zeigen regelmäßig, dass der größte Hebel für den Projekterfolg nicht die gewählte Technologie ist, sondern die Qualität der Implementierung. Eine gut geführte Migration auf Shopware 6 kann Conversion-Rates signifikant steigern, Betriebskosten senken und neue Vertriebskanäle erschließen. Eine schlecht umgesetzte Migration erzeugt technische Schulden, die über Jahre hinweg Entwicklungskapazität binden.
Die Entscheidung für Shopware und die Entscheidung für die richtige Shopware Agentur müssen deshalb als eine gemeinsame Entscheidung verstanden werden, nicht als zwei getrennte Schritte. Wer das System wählt, ohne die Agentur zu prüfen, oder umgekehrt, läuft in eine vorhersehbare Falle.
Shopware 6 unterscheidet sich in seiner Architektur fundamental von Shopware 5 und von vielen anderen Shopsystemen. Die Migration von Shopware 5 auf Shopware 6 ist kein Update. Sie ist eine vollständige Neuimplementierung. Agenturen, die jahrelange Erfahrung mit Shopware 5 haben, aber Shopware 6 nur oberflächlich kennen, sind für neue Projekte keine solide Wahl.
Echte technische Shopware-Kompetenz zeigt sich in der Tiefe, nicht in Marketingaussagen. Stellen Sie im Erstgespräch konkrete Fragen:

Eine Agentur, die auf diese Fragen ausweicht oder allgemein antwortet, hat nicht die Tiefe, die ein ernsthaftes Shopware-Projekt erfordert. Das sind keine akademischen Prüfkriterien: das sind Grundlagen, ohne die jedes mittlere bis größere Projekt in Schwierigkeiten gerät.
Darüber hinaus sollten Sie prüfen, ob die Agentur mit den deutschen Marktanforderungen vertraut ist: DSGVO-konforme Implementierungen von Tracking und Consent Management, Integration von ERP-Systemen wie SAP, Dynamics oder proAlpha sowie die korrekte Abbildung von Steuerklassen, Versandregeln und Zahlungsarten für den deutschen Markt.
Technische Kompetenz ist die Voraussetzung. Aber sie ist nicht hinreichend. Die entscheidende Frage, die Sie einer Shopware Agentur stellen sollten, lautet: Versteht sie Ihr Geschäftsmodell und kann sie eine Implementierungsstrategie entwickeln, die nicht nur den Launch abdeckt, sondern die nächsten drei Jahre?
Viele Agenturen liefern einen funktionierenden Shop. Nur wenige liefern eine echte Wachstumsplattform. Der Unterschied liegt in der strategischen Haltung:
Eine technisch orientierte Agentur denkt in Features und Tickets. Eine strategisch orientierte Shopware Agentur denkt in Conversion-Hebeln, Internationalisierungsszenarien, Omnichannel-Strategien und dem gezielten Abbau von Komplexität im Backend. Sie weiß, welche Shopware-Edition, Rise, Evolve oder Beyond, zu welchem Reifegrad eines Unternehmens passt. Und sie kann erklären, wie sich das Setup in zwei Jahren weiterentwickeln soll, nicht nur wie es zum Launch aussieht.
Fragen Sie im Auswahlprozess konkret:
Die Antworten auf diese Fragen offenbaren mehr über die Qualität einer Agentur als jede Referenzliste.
Shopware bietet drei kommerzielle Editionen: Rise, Evolve und Beyond. Die Wahl der richtigen Edition hat direkte Auswirkungen auf den Funktionsumfang, die Skalierbarkeit und die Gesamtkosten eines Projekts. Eine gute Shopware Agentur muss in der Lage sein, diese Entscheidung sachlich zu begleiten ohne Eigeninteressen, die in Richtung der teureren Edition drängen.
Prüfen Sie, ob die Agentur die Unterschiede zwischen diesen Editionen sachlich erklären kann und eine klare Empfehlung für Ihre spezifische Situation ausspricht. Eine Agentur, die pauschal die teuerste Edition empfiehlt oder keine differenzierte Einschätzung liefert, optimiert möglicherweise ihr eigenes Umsatzziel, nicht Ihr Projektergebnis.
Einer der größten Vorteile von Shopware ist das umfangreiche Plugin-Ökosystem. Im Shopware Store sind mehrere tausend Erweiterungen verfügbar: Von Zahlungs- und Versandintegrationen über Marketing-Tools bis hin zu spezialisierten B2B-Funktionen. Dieses Ökosystem kann Entwicklungsaufwände erheblich reduzieren, wenn es richtig eingesetzt wird.
Eine kompetente Shopware Agentur weiß jedoch auch, wo die Grenzen von Standard-Plugins liegen. Schlecht gewartete Plugins, Kompatibilitätsprobleme nach Updates oder übermäßig viele Drittanbieter-Erweiterungen können ein System instabil machen. Die Kunst liegt in der richtigen Abwägung: Welche Anforderungen lassen sich sinnvoll über den Store abdecken? Was sollte besser als eigene Erweiterung entwickelt werden?
Besonders relevant im deutschen Markt sind Integrationen mit Marktplätzen wie Amazon, Otto und Kaufland, mit Versanddienstleistern wie DHL, DPD und Hermes sowie mit Zahlungsanbietern wie Klarna, PayPal und PAYONE. Eine Shopware Agentur, die hier nur die Oberfläche kennt, wird Sie in der Praxis im Stich lassen.
Referenzen sind das wichtigste Beweisstück im Agenturauswahlprozess. Aber nur dann, wenn sie belastbar sind. Ein Logo auf der Website oder ein allgemeiner Erfahrungsbericht reichen nicht. Suchen Sie nach Referenzen, die konkrete Informationen enthalten:
Agenturen ohne nachweisbare Projekterfolge haben entweder keine relevanten Projekte umgesetzt oder keine Kultur der Erfolgsmessung etabliert. Beides ist ein Warnsignal. Insbesondere dann, wenn Sie selbst mit einem mittleren bis hohen Investitionsvolumen planen.
Das Shopware Solution Partner-Programm unterscheidet zwischen verschiedenen Partnerleveln: von einfachen Partnern bis hin zu Enterprise-Partnern. Höhere Partnerlevel setzen mehr abgeschlossene Projekte, mehr zertifizierte Mitarbeiter und eine tiefere Zusammenarbeit mit dem Hersteller voraus. Das ist keine Erfolgsgarantie, aber ein belastbarer Qualitätsindikator.
Shopware bietet zertifizierte Schulungen und Prüfungen für Entwickler und Projektmanager an. Fragen Sie gezielt: Wie viele Mitarbeiter der Agentur halten welche Shopware-Zertifizierungen? Gibt es ausgebildete Solution Architects im Team, die über die reine Entwicklung hinaus systemische Projektverantwortung tragen können?

Neben dem offiziellen Partnerstatus lohnt sich ein Blick auf die Shopware Community-Aktivität der Agentur: Beteiligt sie sich an GitHub-Diskussionen, Community-Events oder dem Shopware-Ökosystem? Agenturen mit echter Plattformtiefe sind in diesen Kreisen sichtbar. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie die Plattform genuinen Interesses wegen verfolgen.
Technische Kompetenz und Zertifizierungen beschreiben das Potenzial einer Agentur. Wie sie in der Praxis zusammenarbeitet, entscheidet über den tatsächlichen Projekterfolg. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen besonders deutlich.
Prozessreife bedeutet in der Praxis: Die Agentur hat ein definiertes Vorgehensmodell für Migrationen und Neuentwicklungen. Sie arbeitet mit klaren Eskalationswegen bei Problemen, liefert regelmäßige Statusberichte in einem Format, das für Entscheider lesbar ist, und dokumentiert Anforderungen nachvollziehbar. Change Requests werden strukturiert erfasst und bepreist, damit Budgets nicht durch unkontrollierte Scope-Erweiterungen unter Druck geraten.
Stellen Sie konkrete Fragen zum Projektsetup:
Eine Shopware Agentur, die auf diese Fragen mit "das machen wir flexibel je nach Projekt" antwortet, hat keine echten Prozesse. Flexibilität ist kein Ersatz für Struktur. Und fehlende Struktur ist im E-Commerce-Projektgeschäft regelmäßig die Ursache für Budgetüberschreitungen, Verzögerungen und unbefriedigende Ergebnisse.
Shopware 6 ist sowohl als Self-Hosted-Variante (Community Edition kostenfrei, kommerzielle Editionen mit Lizenzkosten) als auch als Cloud-Version verfügbar. Beide Betriebsmodelle haben unterschiedliche Kostenstrukturen, die direkte Auswirkungen auf die Projektplanung haben.
Prüfen Sie folgende Punkte im Gespräch mit Ihrer Shopware Agentur explizit:
Transparenz bei Kosten ist ein Kultursignal. Agenturen, die im Erstgespräch keine klaren Aussagen zu Abrechnungsmodellen machen wollen, werden es auch später nicht tun. Das sollte ein klares Ausschlusskriterium sein.
Ein Shopware-Projekt endet nicht mit dem Go-live. Shopware entwickelt die Plattform aktiv weiter und veröffentlicht regelmäßig neue Versionen mit neuen Funktionen, API-Änderungen und Sicherheitsupdates. Ihr Shop muss damit Schritt halten. Nicht als Selbstzweck, sondern weil veraltete Softwareversionen Sicherheitsrisiken bedeuten und Sie von neuen Plattformfunktionen abschneiden.
Fragen Sie deshalb explizit nach dem Betreuungsmodell nach dem Go-live. Wie schnell werden kritische Sicherheitslücken behoben? Gibt es definierte SLAs für verschiedene Incident-Prioritäten? Wie werden neue Shopware-Features evaluiert und gegebenenfalls in Ihre Plattform integriert? Hat die Agentur Kapazitäten für laufende Betreuung oder sind ihre Teams ausschließlich auf Neuprojekte ausgerichtet?
Eine Shopware Agentur ohne klares Post-launch-Konzept macht Sie nach der Implementierung faktisch abhängig von ihrer Reaktionszeit, ohne dass Sie eine belastbare Zusage haben. Gerade in Phasen hoher Auslastung, Weihnachtsgeschäft, Kampagnen-Launches, Black Friday, ist das ein inakzeptables Risiko.
Shopware stammt aus Deutschland. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen internationalen Plattformen wie Magento, Salesforce, BigCommerce & Co. und gleichzeitig eine Besonderheit, die richtig eingeordnet werden muss. Die Plattform ist auf den deutschen Markt ausgelegt. Das entbindet eine Shopware Agentur aber nicht davon, die spezifischen Anforderungen Ihrer Zielgruppe, Branche und rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen.
Zahlungsarten wie Kauf auf Rechnung, SEPA-Lastschrift oder Sofortüberweisung sind im deutschen E-Commerce Standard. DSGVO-konforme Implementierungen von Tracking, Consent Management und Datenspeicherung sind rechtliche Pflicht, keine Best Practice. Die korrekte Abbildung von umsatzsteuerlichen Anforderungen, insbesondere bei grenzüberschreitendem Handel, erfordert spezifisches Wissen.
Hinzu kommt die Frage der Sprachkompetenz: Technische Dokumentation, Schulungen für Ihre Mitarbeiter und Support-Kommunikation auf Deutsch sind für einen reibungslosen Betrieb keine Selbstverständlichkeit. Agenturen, die international tätig sind und nur auf Englisch kommunizieren, können technisch exzellent sein und trotzdem an den alltäglichen Anforderungen Ihres Teams scheitern.
Shopware 6 wird sowohl für B2C-Shops als auch für komplexe B2B-Plattformen eingesetzt. Die Anforderungen unterscheiden sich dabei fundamental. Eine Shopware Agentur, die ausschließlich Erfahrung mit Consumer-Shops hat, ist für ein B2B-Projekt mit individuellen Preislisten, Kundengruppen, Genehmigungsworkflows und ERP-tiefer Integration möglicherweise die falsche Wahl und umgekehrt.
Klären Sie im Auswahlprozess, in welchem Bereich die Agentur ihre Schwerpunkte hat:
Lassen Sie sich in diesem Punkt konkrete Projektreferenzen zeigen, keine allgemeinen Aussagen über Plattformkompetenz.
Ein strukturierter Auswahlprozess ist keine Bürokratie. Er ist der einzige zuverlässige Weg, bei einem komplexen Angebot an Agenturen und hohem Investitionsvolumen eine fundierte Entscheidung zu treffen. Gehen Sie in sechs Schritten vor:
Shopware bietet die technologischen Voraussetzungen für außergewöhnliches Wachstum im E-Commerce. Die Plattform ist flexibel genug für komplexe B2B-Strukturen und leistungsstark genug für wachstumsstarke B2C-Shops. Aber diese Vorteile setzen voraus, dass die Implementierung von einer Shopware Agentur durchgeführt wird, die die Plattform wirklich beherrscht.
Im Gegensatz zu Systemen mit wenigen DACH-Implementierern müssen Sie beim Shopware-Markt nicht nach Agenturen suchen. Sie müssen unter vielen die richtige finden. Das ist eine andere, in mancher Hinsicht schwierigere Aufgabe. Sie erfordert mehr Sorgfalt bei der technischen Qualifizierung, klarere Fragen im Auswahlprozess und eine höhere Bereitschaft, Referenzen wirklich zu prüfen, statt sich von Präsentationen beeindrucken zu lassen.

Alexander Steireif ist Gründer und Geschäftsführer der Strategie- und Technologieberatung Alexander Steireif GmbH. Seit über 20 Jahren unterstützt er mittelständische Unternehmen dabei, ihren Vertrieb zu digitalisieren, leistungsfähige E Commerce Lösungen aufzubauen und klare Strategien für nachhaltiges digitales Wachstum zu entwickeln.
Geschäftsführer
Alexander Steireif