31.03.2025

Wer eine BigCommerce Agentur sucht, steht vor einem Problem, das auf den ersten Blick klein wirkt: Es gibt in Deutschland schlicht nicht sehr viele Agenturen, die auf diese E-Commerce Lösungen setzen, speziell im direkten Vergleich mit Shopify.
Im offiziellen BigCommerce-Partnerverzeichnis für die DACH-Region sind aktuell lediglich 25 bis 30 zertifizierte Agenturpartner gelistet. Das klingt nach Überschaubarkeit, ist in der Realität aber ein zweischneidiges Schwert. Denn die geringe Marktdichte erhöht den Druck, eine gute Entscheidung zu treffen, erheblich: Kapazitäten sind knapp, Alternativen rar, und ein Fehlgriff kostet Zeit, Geld und im schlimmsten Fall die gesamte Plattformmigration.
Dieser Blogbeitrag ist kein generischer Ratgeber darüber, wie man "die richtige Agentur findet". Es geht konkret darum, wie man die richtige BigCommerce Agentur findet, mit allen spezifischen Kriterien, die sich aus der Plattform selbst, dem deutschen Markt und der besonderen Situation eines mittelständischen Unternehmens ergeben.
Eine Forrester-Studie im Auftrag von BigCommerce belegt, dass Unternehmen nach der Migration auf die Plattform über drei Jahre einen durchschnittlichen ROI von 211 % erzielen. Solche Zahlen klingen beeindruckend. Realisiert werden sie aber nur dann, wenn die Implementierung sauber ist, die Konfiguration zur Unternehmensstruktur passt und die Agentur versteht, was hinter diesen Kennzahlen steckt.
Eine falsch ausgewählte Agentur, das gilt übrigens nicht nur für BigCommerce sondern auch für Systeme wie OXID, kann dieses Potenzial vollständig neutralisieren. Technische Schulden durch schlechte Implementierungen, fehlende Kenntnisse über BigCommerce-spezifische Architekturentscheidungen oder unzureichendes Verständnis für die Anforderungen des deutschen Markts: All das kostet am Ende mehr, als der initiale Preisunterschied zwischen Angeboten vermuten lässt.
Die Systemauswahl und die Agenturauswahl sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer nur eine davon ernst nimmt, wird bei der anderen scheitern.
BigCommerce ist eine API-first-Plattform. Das bedeutet: Die Plattform verarbeitet bis zu 400 API-Aufrufe pro Sekunde und ist architektonisch darauf ausgelegt, in komplexe IT-Landschaften eingebunden zu werden.
Echte technische Kompetenz zeigt sich nicht in Marketing-Aussagen wie "wir kennen BigCommerce seit Jahren". Sie zeigt sich in der Tiefe.
Das sind keine akademischen Fragen, sondern praktische Prüfkriterien, die Sie in einem ersten Gespräch stellen können und sollten. Eine Agentur, die auf diese Fragen ausweicht oder allgemein antwortet, hat die nötige Tiefe schlicht nicht.
Darüber hinaus sollten Sie prüfen, ob die Agentur mit den Eigenheiten der BigCommerce-Plattform im deutschen Kontext vertraut ist: mehrsprachige Storefronts, DSGVO-konforme Implementierungen von Tracking und Analytics sowie die Integration mit ERP-Systemen, die im deutschen Mittelstand dominieren.
Technische Kompetenz ist notwendig, aber nicht hinreichend. Die entscheidende Frage lautet: Versteht die Agentur Ihr Geschäftsmodell? Kann sie erklären, wie eine BigCommerce-Implementierung in drei Jahren aussehen sollte, nicht nur in drei Monaten?
Viele Agenturen liefern einen funktionierenden Shop. Wenige liefern eine Wachstumsplattform. Der Unterschied liegt in der strategischen Haltung:
Eine technisch orientierte Agentur denkt in Features. Eine strategisch orientierte Agentur denkt in Conversion-Hebeln, Internationalisierungsszenarien, Omnichannel-Architekturen und dem schrittweisen Abbau von Komplexität im Backend. Gerade für den deutschen Mittelstand, der BigCommerce häufig als Alternative zu älteren On-Premise-Lösungen oder komplexen Eigenentwicklungen evaluiert, ist dieser strategische Blick entscheidend.
Fragen Sie im Auswahlprozess konkret: Wie hat die Agentur bei einem vergleichbaren Kunden die Migration geplant? Welche KPIs wurden definiert, bevor die erste Zeile Code geschrieben wurde?
BigCommerce hat in den letzten Jahren gezielt Technologiepartner in das eigene Ökosystem integriert. Zwei davon sind besonders relevant: Feedonomics für Feed-Management und Multichannel-Commerce sowie Makeswift als visueller Page-Builder für Headless-Setups.

Feedonomics
Ermöglicht es, Produktdaten für Amazon, Google Shopping, Meta und viele weitere Kanäle zu optimieren und auszuspielen. In Deutschland, wo ein signifikanter Anteil der E-Commerce-Umsätze über Marktplätze läuft, ist diese Kompetenz kein Nice-to-have. Sie ist geschäftskritisch. Eine Agentur, die Feedonomics nur dem Namen nach kennt, kann diese Funktion nicht sinnvoll in eine Commerce-Strategie einbetten.
Makeswift
Wiederum ist für Unternehmen relevant, die Headless-Architekturen einsetzen und dabei die redaktionelle Pflege des Frontends nicht von der Entwicklung abhängig machen wollen. Gute Agenturkompetenz hier bedeutet: Die Agentur kennt Anwendungsfälle, Grenzen und Alternativen.
Prüfen Sie beim Auswahlgespräch, ob die Agentur konkrete Projekte mit diesen Tools umgesetzt hat oder lediglich Produktbroschüren zitiert.
Referenzen sind das wichtigste Beweisstück im Agenturauswahlprozess. Allerdings nur, wenn sie belastbar sind. Ein Logo auf der Website reicht nicht. Suchen Sie nach Referenzen, die folgende Informationen enthalten:
Agenturen, die keine Referenzen mit messbaren Ergebnissen vorweisen können, haben entweder keine relevanten Projekte umgesetzt oder keine Kultur der Erfolgsmessung. Beides ist ein Warnsignal. Gerade in einem Markt mit so wenigen zertifizierten BigCommerce-Implementierern sollten Sie auf diesem Punkt nicht nachgeben.
Das BigCommerce-Partnerprogramm unterscheidet bei den BigCommerce Agenturen zwischen verschiedenen Partnerlevel: Partner, Elite Partner und Premier Partner. Höhere Level bedeuten mehr abgeschlossene Projekte, mehr zertifizierte Mitarbeiter und eine tiefere Beziehung zum Hersteller. Das ist keine Garantie für Qualität, aber ein belastbarer Indikator.
Zertifizierungen auf Mitarbeiterebene sind dabei genauso relevant wie der Partnerstatus der Agentur. Eine Agentur, die ausschließlich auf dem Partnerstatus des Unternehmens aufbaut, aber keine zertifizierten Entwickler oder Solution Engineers im Team hat, bietet wenig echte Substanz. Fragen Sie, wie viele Mitarbeiter welche BigCommerce-Zertifizierungen halten und in welchen Bereichen diese liegen. Das gibt Ihnen ein klares Bild der tatsächlichen Kompetenzverteilung im Team.

Technische Kompetenz und Zertifizierungen beschreiben das Potenzial einer Agentur. Wie sie in der Praxis zusammenarbeitet, entscheidet über den tatsächlichen Projekterfolg. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen besonders deutlich.
Prozessreife bedeutet: Die Agentur hat ein definiertes Vorgehensmodell für Migrationen, klare Eskalationswege bei Problemen, regelmäßige Statusberichte in einem Format, das für Entscheider lesbar ist, und eine transparente Anforderungsdokumentation. Sie arbeitet mit einem definierten Change-Request-Prozess, damit Budgets nicht durch unkontrollierte Scope-Erweiterungen explodieren. Fragen Sie gezielt nach dem Projektsetup: Wer ist Ihr fester Ansprechpartner? Wie wird Qualität gesichert? Welches Tool nutzt die Agentur für Projektmanagement, wie werden Fortschritte dokumentiert? Eine Agentur, die auf diese Fragen mit "das machen wir flexibel je nach Projekt" antwortet, hat keine Prozesse. Flexibilität ist kein Ersatz für Struktur.
Im Vergleich zu klassischen On-Premise-Lösungen bietet BigCommerce eine Reduzierung der Total Cost of Ownership von bis zu 75 %, da Hosting, Wartung und Sicherheits-Patches durch die SaaS-Struktur entfallen. Diesen Vorteil darf Ihre Agentur nicht durch intransparente Kostenmodelle wieder auffressen.
Prüfen Sie folgende Punkte explizit:
Transparenz bei Kosten ist ein Kultursignal. Agenturen, die im Erstgespräch keine klaren Aussagen zu Abrechnungsmodellen machen wollen, werden es auch später nicht tun.
Ein BigCommerce-Projekt endet nicht mit dem Go-live. Die Plattform entwickelt sich kontinuierlich weiter, BigCommerce veröffentlicht regelmäßig neue Features, API-Versionen und Sicherheitsupdates. Ihr Shop muss damit Schritt halten. In Deutschland werden mittlerweile über 60 % der E-Commerce-Umsätze über mobile Endgeräte generiert, was bedeutet: Performance-Optimierungen, Theme-Updates und neue PWA-Funktionen sind keine optionalen Extras, sondern kontinuierliche operative Notwendigkeiten.
Fragen Sie deshalb explizit nach dem Betreuungsmodell nach dem Go-live. Wie schnell werden kritische Bugs behoben? Gibt es definierte SLAs? Wie werden neue BigCommerce-Features evaluiert und gegebenenfalls in Ihre Plattform integriert? Eine Agentur ohne klares Post-launch-Konzept macht Sie nach der Implementierung faktisch abhängig von ihrer Reaktionszeit, ohne dass Sie dafür eine belastbare Zusage haben.
BigCommerce ist eine US-amerikanische Plattform. Das ist kein Problem, solange die Agentur versteht, was das für deutsche Projekte bedeutet. Zahlungsarten wie SEPA-Lastschrift, Kauf auf Rechnung oder Sofortüberweisung sind im deutschen E-Commerce Standards, in den USA Randphänomene. DSGVO-konforme Implementierungen von Tracking, Consent Management und Datenspeicherung sind rechtliche Pflicht, keine optionale Best Practice.
Hinzu kommt die sprachliche Dimension: Technische Dokumentation, Schulungen für Ihre Mitarbeiter und Support-Kommunikation auf Deutsch sind für den reibungslosen Betrieb nicht unwichtig. Einer Partnerschaft mit BigCommerce kommt dabei besondere Bedeutung zu, weil sie den direkten Draht zum Hersteller für länderspezifische Fragen sichert. Eine Agentur ohne deutschen Marktfokus kann technisch exzellent sein und trotzdem an den spezifischen Anforderungen Ihrer Kunden scheitern.
Ein sauberer Auswahlprozess ist keine Bürokratie. Er ist der einzige zuverlässige Weg, bei einem kleinen Angebot von Agenturen und hohem Investitionsvolumen eine fundierte Entscheidung zu treffen. Gehen Sie in fünf Schritten vor:
BigCommerce bietet die technologischen Voraussetzungen für außergewöhnliches Wachstum. Die Plattform garantiert 99,99 % Betriebszeit, skaliert zuverlässig über saisonale Lastspitzen und ermöglicht im B2B-Segment nach der Migration Conversion-Steigerungen von bis zu 20 %. Diese Zahlen setzen aber voraus, dass die Implementierung von einer Agentur durchgeführt wird, die die Plattform wirklich beherrscht.
Deshalb lohnt es sich, mehr Zeit in die Auswahl zu investieren als in vergleichbaren Märkten. Eine Agentur, die technisch kompetent ist, strategisch denkt, transparent kommuniziert und den deutschen Markt versteht, ist keine Selbstverständlichkeit: Sie ist ein echter Wettbewerbsvorteil. Wer diesen Auswahlprozess ernst nimmt, legt damit den Grundstein für ein E-Commerce-Projekt, das nicht nur funktioniert, sondern dauerhaft wächst.

Alexander Steireif ist Gründer und Geschäftsführer der Strategie- und Technologieberatung Alexander Steireif GmbH. Seit über 20 Jahren unterstützt er mittelständische Unternehmen dabei, ihren Vertrieb zu digitalisieren, leistungsfähige E Commerce Lösungen aufzubauen und klare Strategien für nachhaltiges digitales Wachstum zu entwickeln.
Geschäftsführer
Alexander Steireif