13.01.2026

Der deutsche E-Commerce-Markt wächst wieder. Laut einer aktuellen Studie von EHI und ECDB konnten die 1.000 umsatzstärksten B2C-Onlineshops ihren Netto-E-Commerce-Umsatz 2024 auf über 80 Milliarden Euro steigern. Für 2025 wird ein weiteres nominales Wachstum von rund 5 Prozent erwartet. Wer also jetzt nicht in seinen Online-Kanal investiert, verliert.
Aber investieren in was genau und vor allem mit wem?
Spätestens wenn das Budget freigegeben ist, stellt sich in vielen Unternehmen dieselbe Frage: Brauchen wir jetzt eine E-Commerce Agentur oder besser eine E-Commerce Beratung? Die Antwort ist nicht so selbstverständlich, wie sie auf den ersten Blick scheint. Denn beide Dienstleister lösen grundsätzlich verschiedene Probleme. Und wer den falschen zuerst engagiert, verschenkt Zeit und Geld.
Eine E-Commerce-Beratung hilft Unternehmen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nicht mehr, nicht weniger. Das klingt zwar simpel, ist es aber am Ende des Tages nicht.
Im Kern geht es um vier Tätigkeiten: Analyse des Status quo, Entwicklung einer tragfähigen Strategie, Optimierung von Prozessen und die neutrale Auswahl passender Technologien. Das Schlüsselwort hier ist neutral. Eine gute E-Commerce Beratung hat kein Interesse daran, Ihnen ein bestimmtes Shopsystem oder eine bestimmte Agentur zu verkaufen. Sie verdient ihr Geld mit Beratungsleistung, nicht mit Provisionen oder Implementierungsaufträgen.
Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass eine Beratung Ihnen sagt, was wirklich zu Ihrem Unternehmen passt. Nicht was gerade im Trend liegt. Nicht was die Agentur zufällig besonders gut kann. Sondern was Ihren Anforderungen, Ihrem Budget und Ihren strategischen Zielen entspricht.
Dabei ist die Methodik entscheidend. Gute Beratungsarbeit basiert auf Daten, nicht auf Bauchgefühl. Das beginnt mit einem sauberen Health Check bestehender Systeme und Prozesse. Es schließt eine Markt- und Wettbewerbsanalyse ein. Und es mündet in einer klaren Roadmap: Was wird wann wie umgesetzt, zu welchen Kosten, mit welchem erwarteten Ergebnis.
Ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt: Beratung legt den Grundstein für alle späteren Schritte. Wer ohne klare Strategie in die Umsetzung geht, baut auf Sand. Das klingt nach Klischee und doch ist es die häufigste Ursache für gescheiterte oder massiv über Budget gelaufene E-Commerce-Projekte.
Die Strategieberatung klärt das „Was" und das „Warum". Die Agentur kümmert sich danach ums „Wie". Diese Reihenfolge ist kein Zufall, sondern vielmehr entscheidend.
Eine E-Commerce Agentur setzt um. Sie entwickelt, gestaltet und betreibt. Das ist ihre Kernkompetenz, und das ist auch gut so.
Im klassischen Sinne kümmert sich eine Agentur um die technische Implementierung eines Online-Shops, das UX- und UI-Design, die Integration von Drittsystemen wie ERP oder PIM, SEO und Online-Marketing sowie die laufende technische Wartung und Weiterentwicklung.
Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Agenturen. Full-Service-Agenturen decken das gesamte Spektrum ab, von der Konzeption bis zum Betrieb. Spezialisierte Agenturen fokussieren sich auf einzelne Bereiche: Manche sind Experten für ein bestimmtes Shopsystem, andere für Performance-Marketing, wieder andere für B2B-Portale oder internationalen E-Commerce.
Agenturen denken in Projekten und Sprints. Ihr Geschäftsmodell basiert auf dem Verkauf von Entwicklerstunden, Designleistungen und laufenden Retainern. Das ist legitim. Es bedeutet aber auch: Je mehr umgesetzt wird, desto mehr verdient die Agentur. Das erzeugt strukturell einen Interessenkonflikt, wenn es um die strategische Frage geht, was überhaupt umgesetzt werden sollte.
Agenturen sind hervorragend darin, eine klare Anforderung technisch exzellent zu realisieren. Was sie weniger gut können: Ihnen zu sagen, ob das, was Sie umsetzen wollen, auch das Richtige ist.
Hier liegt der Kern des Problems, welches in der Praxis erschreckend oft übersehen wird.
Viele Unternehmen gehen direkt zur Agentur. Sie haben eine grobe Idee, vielleicht ein Budget, und wollen loslegen. Die Agentur freut sich, hört zu und erstellt ein Angebot. Das Projekt beginnt. Und irgendwann, manchmal nach Monaten, manchmal erst nach dem Launch, merkt man: Das war nicht das, was wir eigentlich gebraucht hätten.
Das ist kein Vorwurf an Agenturen. Sie tun, was sie können, aber sie sind keine Strategen. Sie sind Umsetzer.
Die Anforderungen der aktuellen Zeit verlangen jedoch deutlich mehr als gute Umsetzung. Der E-Commerce ist reifer geworden. Die technische Qualität eines Shops ist heute kein Differenzierungsmerkmal mehr, sondern Hygienefaktor. Was den Unterschied macht, ist die strategische Ausrichtung: Welche Kanäle bespiele ich? Wie positioniere ich mich im Wettbewerb? Welche Systeme brauche ich wirklich, und welche brauche ich nicht? Wie integriere ich B2B E-Commerce sinnvoll in bestehende Vertriebsstrukturen?
Diese Fragen kann eine Agentur nicht beantworten. Nicht weil sie es nicht wollte, sondern weil es nicht ihr Job ist.
Erschwerend kommt hinzu: Technologieentscheidungen, die ohne strategische Vorarbeit getroffen werden, sind teuer rückgängig zu machen. Ein Replatforming kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Energie und Nerven. Die Unternehmen, die diesen Weg zweimal gegangen sind, wissen das. Die, die ihn noch vor sich haben, ahnen es.
Kurz gesagt: Wer eine Agentur beauftragt, bevor er weiß, was er wirklich will und braucht, gibt die strategische Kontrolle über sein E-Commerce-Vorhaben ab. Das ist ein Risiko, das viele erst dann erkennen, wenn es zu spät ist.
Es gibt Situationen, in denen eine unabhängige Beratung nicht nur sinnvoll ist, sondern schlicht notwendig. Hier sind die typischsten:
Sie wissen nicht genau, wohin die Reise gehen soll. Die digitale Strategie ist unklar, es gibt intern unterschiedliche Meinungen über Kanäle, Systeme und Prioritäten. Oder das bestehende E-Commerce-Setup funktioniert, aber Sie ahnen, dass es so nicht skaliert. In solchen Fällen brauchen Sie erst Klarheit, bevor Sie anfangen zu bauen.
Sie stehen vor einer Technologieentscheidung. Welches Shopsystem passt zu meinen Anforderungen? Shopware, Magento, Salesforce Commerce Cloud, BigCommerce oder lieber eine Headless-Lösung wie Commercetools? Diese Entscheidung hat langfristige Konsequenzen. Sie sollte nicht von einer Agentur getroffen werden, die zufällig eine Spezialisierung auf ein bestimmtes System hat. Neutrale Technologieberatung und eine strukturierte Webshop- und Agenturauswahl schützen Sie hier vor teuren Fehlentscheidungen.
Sie wollen eine Agentur beauftragen. Das klingt paradox, ist es aber nicht. Wer eine Agentur beauftragt, ohne zuvor ein sauberes Lastenheft und klare Anforderungen zu haben, verliert bei der Vertragsverhandlung. Eine Beratung hilft Ihnen, das Briefing zu schärfen, Leistungsumfänge klar zu definieren und Agenturangebote vergleichbar zu machen. Das spart in der Regel mehr, als es kostet.
Ihre bestehende Lösung läuft nicht rund. Conversion schwach, Prozesse ineffizient, Systemlandschaft fragmentiert. Bevor Sie hier investieren, brauchen Sie eine Diagnose. Nicht mehr Entwicklung auf einem wackeligen Fundament.
Sie wollen Kosten optimieren. Viele mittelständische Unternehmen zahlen zu viel für Lizenzen, Agenturleistungen oder Systemlandschaften, die sie gar nicht vollständig nutzen. Eine unabhängige Analyse deckt diese Potenziale auf. Das Thema Kostenoptimierung im E-Commerce ist gerade im aktuellen Marktumfeld relevanter denn je.
Sie wollen eine neutrale zweite Meinung. Manchmal ist das Wichtigste, jemanden am Tisch zu haben, der keine eigene Agenda verfolgt. Der Ihnen sagt, was er wirklich denkt, auch wenn es unbequem ist.
Es gibt ebenso klare Situationen, in denen eine Agentur die richtige Wahl ist:
Sie haben eine fertige Strategie und klare Anforderungen, und jetzt geht es darum, diese technisch umzusetzen. Ein neuer Shop soll gebaut, redesignt oder migriert werden. SEO und Performance-Marketing sollen professionell gesteuert werden. Die bestehende Plattform braucht laufende Weiterentwicklung und technischen Betrieb.
In all diesen Fällen ist eine gute Agentur genau das Richtige. Sie bringt die technische Expertise, die Kapazität und die Prozesse mit, um Projekte effizient zu realisieren. Agenturen mit klarer Spezialisierung, etwa auf ein bestimmtes Shopsystem oder eine Branche, können dabei echte Mehrwerte liefern.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Die Qualität eines Agenturprojekts hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Anforderungen im Vorfeld definiert wurden. Eine Agentur arbeitet so gut, wie das Briefing ist, das sie bekommt. Wer ihr klare Ziele, saubere Prozessbeschreibungen und eine definierte Systemarchitektur mitgibt, wird auch ein gutes Ergebnis bekommen. Wer das nicht tut, sollte sich nicht wundern, wenn das Projekt aus dem Ruder läuft.
Das Beste aus beiden Welten ist kein Widerspruch. Es ist ein Modell, das sich in der Praxis bewährt hat.
Die Beratung kommt zuerst. Sie analysiert, strukturiert, bewertet Optionen und entwickelt eine belastbare Grundlage. Sie formuliert Anforderungen, begleitet die Agenturauswahl und verhandelt Verträge. Dann übergibt sie an die Agentur, die mit einem klaren Auftrag in die Umsetzung geht.
Und wenn es sinnvoll ist, begleitet die Beratung den Umsetzungsprozess weiterhin. Nicht operativ, sondern als steuernde Instanz. Als Anwalt des Auftraggebers. Als jemand, der aufzeigt, wenn das Projekt vom Kurs abkommt oder neue Anforderungen entstehen, die neu bewertet werden müssen. Das nennt man Umsetzungsbegleitung, und sie macht den Unterschied zwischen einem Projekt, das geliefert und einem Projekt, das wirklich zum Ziel führt.
Gerade für mittelständische Unternehmen ist dieses Modell besonders relevant. Denn der Mittelstand hat in der Regel keine eigene E-Commerce-Abteilung mit 10 Leuten, die ein solches Projekt intern steuern könnte. Externe Beratungskapazität schließt diese Lücke, ohne dauerhaft auf der Payroll zu stehen.
Das Ergebnis: Mehr Kontrolle. Weniger Risiko. Bessere Entscheidungen.
E-Commerce Projekte scheitern selten an der technischen Umsetzung. Sie scheitern an unklaren Zielen, falschen Technologieentscheidungen und fehlender strategischer Führung.
Agenturen sind gut darin, umzusetzen. Sehr gut sogar. Aber der eigentliche Engpass im E-Commerce des Mittelstands ist heute nicht die Umsetzungskapazität. Es ist die strategische Klarheit. Die Fähigkeit, die richtigen Prioritäten zu setzen, die richtige Technologie zu wählen und das eigene Budget dort einzusetzen, wo es die größte Wirkung entfaltet.
Wer das verwechselt, zahlt doppelt. Erst für die Umsetzung. Dann für die Korrektur.
Die ehrliche Empfehlung: Klären Sie zuerst, was Sie wirklich wollen und brauchen. Dann wählen Sie die Technologie, die dazu passt. Und dann beauftragen Sie die Agentur, die das am besten umsetzen kann. In dieser Reihenfolge.
Wenn Sie unsicher sind, wo Sie gerade stehen, und eine neutrale Perspektive von außen schätzen, sprechen Sie uns an. Wir analysieren Ihre Situation ohne Vorurteile und ohne Eigeninteresse an einer bestimmten Lösung. Einfach ehrlich, direkt und auf Augenhöhe. Jetzt unverbindlich Kontakt aufnehmen

Alexander Steireif ist Gründer und Geschäftsführer der Strategie- und Technologieberatung Alexander Steireif GmbH. Seit über 20 Jahren unterstützt er mittelständische Unternehmen dabei, ihren Vertrieb zu digitalisieren, leistungsfähige E Commerce Lösungen aufzubauen und klare Strategien für nachhaltiges digitales Wachstum zu entwickeln.
Geschäftsführer
Alexander Steireif