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Kaufmann im E-Commerce – Was bringt die Ausbildung?

E-Commerce News

Daniel Becker 01.02.2019

E-Commerce Kaufmann BLogbeitrag

Der neue Ausbildungsberuf E-Commerce Kaufmann / E-Commerce Kauffrau wird seit dem 01.08.2018 offiziell angeboten – und hat einen kleinen Run ausgelöst. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) waren zum Jahresende 2018 bundesweit rund 1.400 Ausbildungsverträge für den Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce abgeschlossen. Angeblich hatte der Branchenverband aber nur mit etwa 1.000 Auszubildenden gerechnet. Schön, dass die neue E-Commerce Ausbildung so gut ankommt, erst recht, wenn man bedenkt, welches Überangebot es in den klassischen Handelsberufen gibt.

Angebotene Ausbildungsstellen und Besetzung (Quelle Statista)
Angebotene Ausbildungsstellen und Besetzung (Quelle Statista)

Das Problem im Handel

Es sind aber noch viel zu wenige Ausbildungsverträge, denn im Einzelhandel, Großhandel und Außenhandel werden Fachkräfte für digitale Geschäftsprozesse teils verzweifelt gesucht, tummeln sich doch immer mehr Kunden im Netz. Bei den gesuchten Berufen handelt es sich natürlich nicht nur um Kaufleute, sondern auch um Fach- und Betriebswirte im Einkauf, Sales Manager mit digitalem Background und Online-Marketing Profis. Das Problem war aber bisher, dass es im Gegensatz zu den letztgenannten gerade im kaufmännischen Bereich kaum Quereinsteiger gibt, die einen Online-Hintergrund mitbringen.

Der E-Commerce braucht einen Ausbildungsberuf

Wie auch, wenn die Ausbildung meist die erste Station der Berufsbildung ist, bzw. eine Handelslehre als zweiter Berufsweg für viele wegen der eher niedrigen Vergütung unattraktiv ist. Da bleibt also nur übrig, selbst auszubilden und das Niveau des Gehalts anzupassen. Wie drängend das Problem war und ist, zeigen die Erwartungen zum Wachstum des Onlinehandels. Immerhin 48 Prozent der Onlinehändler gehen von einem Umsatzplus für 2019 aus.

Wachstum im Onlinehandel zeigt Potenzial für neuen Ausbildungsberuf E-Commerce Kaufmann
Wachstum im Onlinehandel zeigt Potenzial für neuen Ausbildungsberuf E-Commerce Kaufmann

Wer sucht Azubis im E-Commerce?

Unter den Ausbildungsbetrieben die für das Ausbildungsjahr 2019/2020 freie Ausbildungsplätze ausgeschrieben haben, befindet sich von Aldi über bis Unilever so ziemlich jeder bekannte Einzelhändler, Pure Player und Hersteller. Auch viele kleine- und mittelständische Betriebe mit regionaler Verankerung bieten Ausbildungsstellen für angehende Onlinehändler. Auf der Meta-Jobsuchmaschine Kimeta waren zum Zeitpunkt der Erstellung des Blogbeitrags 292 Ausbildungsstellen ausgeschrieben. Da ist aber noch Luft nach oben, denn zeitgleich waren es 24.000 Stellen für Kaufleute im Einzelhandel.

Ausbildungsstellen für Kaufleute im E-Commerce
Ausbildungsstellen für Kaufleute im E-Commerce

Welche Unternehmen können überhaupt den Kaufmann im E-Commerce ausbilden?

Etwas bedenklich ist jedoch, dass sich darunter auch Unternehmen befinden, die man nun nicht gerade mit erfolgreichem E-Commerce in Verbindung bringt. Das ist die Crux bei der Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce. Viele Ausbildungsbetriebe haben selbst nur wenig E-Commerce-Expertise, teilweise auch keinen Shop und verkaufen lediglich über Marktplätze oder E-Procurement. Natürlich sollte auch das idealerweise zu den praktischen Aufgaben des angehenden Kaufmanns / -frau gehören. Aber bitte nicht nur! Im Idealfall liegt der Fokus des Unternehmens seit einigen Jahren auf dem Online-Handel und der eigene Shop/die eigene Plattform sollte vorhanden sein. Ob nun eine Multichannel-Ansatz gefahren wird oder ein reiner Online-Vertrieb, das ist letztlich egal.

E-Commerce Schulungen für Ausbildungsunternehmen

Es wäre verantwortungslos, jungen Menschen mit der Aussicht auf einen zukunftssicheren Job zu locken und dann diese berechtigten Erwartungen nicht zu erfüllen. Geschieht es dennoch, steht dahinter meist keine Absicht. Viele ausschreibende Unternehmen dürften sich schlicht nicht über die Ausbildungsinhalte und die besonderen Anforderungen im E-Commerce im Klaren sein. Einfach, weil es ihnen an Expertise fehlt. Wir erhalten regelmäßig Anfragen von Interessenten mit tollen Produkten, einer bewährten, erfolgreichen Vertriebsstrategie, ausgereifter IT-Unterstützung und ersten Erfahrungen im Onlinehandel, die dennoch weitreichende E-Commerce Strategie-Beratung benötigen. Das Thema ist eben sehr komplex. Ansonsten orientiert sich die Ausbildung aber in vielen Fällen am Groß- und Außenhandelskaufmann.

Sollten Sie sich jetzt fragen, ob Sie schon fit sind, im E-Commerce auszubilden, machen Sie doch unseren E-Commerce Quick-Check. Im Anschluss sprechen wir über die Ergebnisse und die besonderen Anforderungen einer Ausbildungsstelle.

E-Commerce Ausbildung: Generalisten für das Onlineshop-Management

Was macht die Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce aus – und was sollte sie ausmachen? Im neuen Ausbildungsberuf warten viele spannende Aufgaben auf die Berufseinsteiger, die das etwas angestaubte Image einer kaufmännischen Ausbildung aufmöbeln. Unserer Ansicht nach das Wichtigste sind der praktische Umgang mit einem klassischen Online-Shopsystem, die Kundenkommunikation und die Weiterentwicklung von E-Commerce Prozessen in einer projektorientierte Arbeitsweise. Ein E-Commerce Kaufmann braucht Agilität, Kreativität, Kommunikationsstärke, technisches und mathematisches Verständnis, Spaß am Ausprobieren und die Fähigkeit über den Tellerrand zu Blicken. Denn der E-Commerce entwickelt sich permanent weiter und so müssen sich auch die Fachkräfte entwickeln.

Eckpunkte und Ausbildungsinhalte

Aufgrund der vielfältigen Anforderungen wir mindestens die mittlere Reife als Schulabschluss empfohlen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Unternehmen wie in der Berufsschule statt. Nach der Abschlussprüfung winkt ein Gehalt bis 2.200 Euro, das dann auf bis zu 3.500 steigen kann, was im Handel beachtlich ist. Die Arbeitszeit ist „regulär“ Werktags zu den klassischen Büro-Geschäftszeiten.

Wovon sich angehende Kaufleute aber frei machen sollten, ist der sehnsuchtsvolle Blick aus dem Fenster, wenn es auf 17.00 Uhr zugeht. Auch wenn in den Informationen zum Ausbildungsberuf ein Job von Nine to Five angepriesen wird. Mit der Realität des späteren Berufs kann das nichts zu tun haben, zumindest nicht, wenn man ihn ernst nimmt und das Unternehmen erfolgreich sein möchte. Denn es kommt tatsächlich vor, dass Kunden nach Feierabend shoppen und dann Betreuung benötigen. Außerdem werden Wartungs- und Support-Aufgaben in der Regel nicht in den Hauptumsatzzeiten realisiert.

Aufgaben eines E-Commerce Kaufmanns

  • Kennzahlen und Nutzerverhalten auswerten
  • Rechnungen, Verträge verwalten
  • Anfragen von Kunden bearbeiten
  • spezifische Kenntnisse im Online-Marketing
  • Verständnis der diversen Online-Vertriebskanäle
  • kaufmännische Steuerung des Online-Vertrieb
  • Wettbewerbsanalysen
  • Produkt- und Dienstleistungssortiment pflegen und entwickeln

Fazit

Für Unternehmen, die in der Vergangenheit Studienabbrecher oder junge akademische Quereinsteiger an kaufmännisches Denken und Handeln heranführen mussten, ist die Ausbildung zum E-Commerce Kaufmman eine sehr gute Alternative. Ein wenig Steuerungs- und Entwicklungsbedarf wird es sicherlich noch geben. Mit dem neuen dualen Ausbildungsberuf wurde aber eine auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichtete kaufmännische Qualifikation geschaffen, die eine solide Basis für den Fachkräftenachwuchs in Online-Unternehmen legt.