
Schnelles Wachstum erzeugt Kosten schneller, als jemand sie ordnet. Beim Kunden, einem Hersteller von Nahrungsergänzungs- und Pflegeprodukten mit eigenem Onlineshop und mehreren Marktplatzkanälen, war innerhalb weniger Jahre eine Landschaft aus 86 laufenden Verträgen entstanden. Software-Abos, Marketing-Tools, KI-Dienste, Freelancer, Agenturen, Infrastruktur.
In Summe: 114.031 Euro pro Monat. 1,37 Millionen Euro im Jahr. Eine vollständige Liste dieser Verträge existierte im Unternehmen nicht. Positionen liefen über verschiedene Abteilungen, teilweise über persönliche Accounts, teilweise ohne hinterlegten Leistungsumfang. Bei der zweitgrößten Einzelposition der gesamten Landschaft, 4.000 Euro monatlich, konnte niemand sagen, welche Leistung dahintersteht. Nicht die Buchhaltung, nicht die IT, nicht die Geschäftsführung.
Jeder einzelne Vertrag war irgendwann aus einem guten Grund abgeschlossen worden. Das ist kein Kontrollversagen, sondern der Normalzustand in wachstumsstarken D2C-Unternehmen. Problematisch wird es an dem Punkt, an dem die Wachstumskurve abflacht und die Marge in den Fokus rückt. Dann steht die Geschäftsführung vor der Frage, wo gekürzt werden kann, und hat keine Datenbasis für die Antwort. Gekürzt wird dann dort, wo der Widerstand am geringsten ist, statt dort, wo am wenigsten Wirkung verloren geht.
Die Aufgabe bestand deshalb nicht darin, möglichst viel zu streichen, sondern zuerst eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen und danach sauber zwischen unverzichtbar, doppelt und unbelegt zu trennen.
Ziel war eine vollständige, bewertete Kostenübersicht, aus der die Geschäftsführung ohne weitere Vorarbeit entscheiden kann.
Der Ansatz war datengetrieben und bewusst unbequem. Nicht jede Position, die lange läuft, ist deshalb berechtigt.
Rund 80.000 Euro pro Jahr entfielen auf Doppelstrukturen und Positionen ohne belegbaren Gegenwert. Das ist der Teil, der ohne jeden Leistungsverlust wegfällt: keine Reichweite, kein Feature, keine Kapazität, die dem Unternehmen dadurch fehlen würde.
Konkret unter anderem:
Darüber hinaus wurde der eigentliche Hebel sichtbar. Knapp 57 Prozent der gesamten Fixkosten lagen im Marketing, verteilt auf 29 Verträge. Allein die externen Agenturen summierten sich auf 35.118 Euro monatlich, über 420.000 Euro im Jahr. Sechs Dienstleisterpositionen mit zusammen 110.000 Euro Jahresvolumen hatten keinerlei hinterlegte Leistungsbeschreibung.
Das identifizierte Gesamtpotenzial liegt bei 270.000 bis 419.000 Euro pro Jahr, zwischen 20 und 30 Prozent der jährlichen Fixkosten. Der größte Anteil davon hängt nicht an Kündigungen, sondern an der Neuverhandlung und Verkleinerung des Agentur-Stacks sowie an der Entscheidung, welche Leistungen künftig intern erbracht werden.
Ebenso wichtig wie die Zahlen ist die Struktur dahinter. Jede der 86 Positionen hat seitdem einen internen Verantwortlichen, eine dokumentierte Begründung und ein Datum für die nächste Prüfung. Damit wurde nicht einmalig gekürzt, sondern der Zustand behoben, der die Kostenlandschaft überhaupt erst unübersichtlich werden ließ.
Der Kunde entwickelt und vertreibt Nahrungsergänzungs- und Pflegeprodukte auf pflanzlicher Basis, überwiegend direkt an Endkunden über den eigenen Onlineshop sowie mehrere Marktplätze. Das Unternehmen ist in wenigen Jahren stark gewachsen und arbeitet mit einem festen Team sowie spezialisierten externen Dienstleistern.
Mehr über das Unternehmen erfahren
