Die Anforderungen an ein Shopsystem müssen feststehen, bevor Anbieter oder Systeme verglichen werden. Entscheidend ist, Geschäftsziele, Prozesse und technische Bedingungen vollständig zu erfassen und sinnvoll zu priorisieren. So entsteht eine neutrale Grundlage für Auswahl, Ausschreibung und Umsetzung.
Am Anfang steht nicht die Frage nach einzelnen Funktionen, sondern nach den Zielen des Unternehmens. Geschäftsmodell, Zielgruppen, Märkte und Vertriebskanäle bestimmen, was das Shopsystem leisten muss. Nur wenn diese Grundlagen klar sind, lassen sich Anforderungen sinnvoll einordnen und unnötige Funktionen vermeiden.
Die Anforderungen dürfen nicht allein vom E-Commerce-Team festgelegt werden. Auch IT, Marketing, Vertrieb, Logistik, Kundenservice und weitere Bereiche müssen einbezogen werden. So werden wichtige Abläufe und Abhängigkeiten früh erkannt, statt erst während der Umsetzung zusätzliche Kosten und Verzögerungen zu verursachen.
Allgemeine Wünsche wie flexibel, modern oder benutzerfreundlich reichen für eine Systemauswahl nicht aus. Anforderungen müssen so beschrieben werden, dass Anbieter sie eindeutig verstehen und später überprüft werden können. Dazu gehören konkrete Funktionen, Prozesse, Rollen, Datenflüsse und wichtige Sonderfälle.
Nicht jede gewünschte Funktion ist für den ersten Go-live gleich wichtig. Anforderungen sollten deshalb nach ihrer Bedeutung geordnet werden. Eine klare Trennung zwischen notwendigen, wichtigen und späteren Themen schafft einen realistischen Umfang und verhindert, dass Zeit und Budget durch Zusatzwünsche aus dem Ruder laufen.
ERP, PIM, CRM, Payment, Logistik und weitere Systeme beeinflussen die Wahl des Shopsystems. Deshalb müssen bestehende Schnittstellen, Datenflüsse und technische Vorgaben von Anfang an erfasst werden. Werden diese Themen übersehen, entstehen später aufwendige Anpassungen, Kompromisse oder teure Sonderlösungen.
Ein neues Shopsystem sollte nicht nur die heutigen Anforderungen erfüllen. Auch Wachstum, Internationalisierung, B2B-Funktionen und weitere Vertriebskanäle müssen berücksichtigt werden. Gleichzeitig braucht es klare Kriterien, mit denen Systeme und Angebote neutral verglichen und Entscheidungen nachvollziehbar begründet werden können.
Die Wahl des falschen Shopsystems gehört zu den teuersten Fehlern, die ein Unternehmen im E-Commerce machen kann, weil er sich nicht im nächsten Sprint korrigieren lässt, sondern erst nach einem aufwendigen und kostspieligen Relaunch. Und dieser Fehler entsteht fast immer in derselben Phase: wenn Anforderungen nicht sauber definiert wurden, bevor eine Systementscheidung getroffen wird.
Trifft man eine Systementscheidung ohne belastbare Anforderungsgrundlage, kann Folgendes passieren:
Das eigentliche Problem dabei ist nicht, dass Unternehmen leichtfertig entscheiden, sondern dass der Markt so aufgebaut ist, dass Anforderungsdefinition selten im Interesse der Beteiligten liegt. Agenturen verdienen an der Umsetzung, Systemhersteller an Lizenzen, und je früher eine Entscheidung fällt, desto besser für beide. Neutrale Begleitung in dieser Phase gibt es selten.
Was ohne saubere Anforderungsdefinition typischerweise schieflgeht:
Das hängt von der Komplexität Ihres Geschäftsmodells und der Anzahl der einzubeziehenden Fachbereiche ab. In der Praxis dauert eine vollständige Anforderungserhebung inklusive Workshops, Dokumentation und Priorisierung zwischen vier und acht Wochen. Wer diesen Schritt abkürzt, holt die fehlende Zeit fast immer im Projektverlauf wieder ein, und zwar zu deutlich höheren Kosten.
Intern erstellte Anforderungslisten sind ein guter Ausgangspunkt, aber in der Praxis fast immer unvollständig. Wir prüfen Ihre bestehende Liste systematisch auf Lücken, ergänzen fehlende Perspektiven und übersetzen alles in ein strukturiertes Anforderungsdokument, das als belastbare Grundlage für Systemvergleiche und Ausschreibungen taugt.
Die Systemauswahl ist der logische nächste Schritt nach einer abgeschlossenen Anforderungsphase und gehört zu unserem Leistungsangebot. Wir bewerten Systeme auf Basis Ihrer Anforderungen neutral und ohne Bindung an einen bestimmten Anbieter und begleiten Sie bis zur fundierten Entscheidung, die Sie intern vertreten können.
Wir nutzen einen strukturierten Workshop-Ansatz, der alle relevanten Fachbereiche systematisch einbezieht, und ergänzen die intern erhobenen Anforderungen um Fragen und Perspektiven, die aus unserer Projekterfahrung regelmäßig übersehen werden. Das Ergebnis ist ein Anforderungsdokument, das nicht nur das Bekannte abbildet, sondern auch die systemkritischen Fragen beantwortet, die ohne externe Begleitung oft ungestellt bleiben.