Lösung
Shopsystem vergleichen
Ein Shopsystem zu vergleichen klingt überschaubar. In der Praxis ist es eine der komplexesten Entscheidungen im E-Commerce, weil Konsequenzen jahrelang nachwirken und sich Fehlentscheidungen nicht per Update korrigieren lassen. Ohne strukturierte Grundlage vergleicht man Marketingaussagen, keine Realitäten.
Ausgangslage
Typische Fragen zu diesem Vorhaben
- Anbieter zeigen Stärken und verschweigen die Schwächen
- Ein Vergleich ohne klare Anforderungen führt in die Irre
- Gesamtbetriebskosten unterscheiden sich massiv und intransparent
- Agenturen empfehlen, was sie kennen, nicht was am besten passt
- Die richtige Wahl prägt Ihre Handlungsfähigkeit für Jahre
Nutzen
Worauf es beim Vergleich von Shopsystemen ankommt
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01
Klare Anforderungen festlegen
Bevor Systeme verglichen werden, müssen die fachlichen, technischen und wirtschaftlichen Anforderungen klar sein. Dazu gehören Prozesse, Schnittstellen, Zielgruppen und geplante Vertriebskanäle. Ohne diese Grundlage wirken viele Systeme passend, obwohl sie zentrale Anforderungen später nur mit hohem Aufwand erfüllen.
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02
Passende Systeme vorauswählen
Nicht jedes Shopsystem muss in den Vergleich aufgenommen werden. Eine gezielte Vorauswahl spart Zeit und sorgt dafür, dass nur Lösungen betrachtet werden, die grundsätzlich zum Geschäftsmodell, zur Unternehmensgröße und zum Budget passen. Zu viele Systeme machen den Vergleich dagegen schnell unübersichtlich.
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03
Einheitliche Kriterien verwenden
Alle Shopsysteme müssen anhand derselben Kriterien bewertet werden. Funktionen, Technik, Bedienung und Anbieterangaben sollten deshalb einheitlich geprüft und nachvollziehbar dokumentiert werden. So entscheidet nicht die überzeugendste Demo, sondern die tatsächliche Eignung für die Anforderungen des Unternehmens.
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04
Gesamte Kosten berücksichtigen
Lizenzkosten zeigen nur einen Teil der tatsächlichen Ausgaben. Auch Hosting, Agenturleistungen, Updates, Schnittstellen und interne Aufwände müssen berücksichtigt werden. Erst der Blick auf die gesamten Kosten über mehrere Jahre zeigt, welches System wirtschaftlich wirklich sinnvoll ist.
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05
Zukünftige Anforderungen einplanen
Ein Shopsystem sollte nicht nur die heutigen Anforderungen erfüllen. Auch Wachstum, Internationalisierung, B2B-Funktionen und weitere Vertriebskanäle müssen berücksichtigt werden. So lässt sich vermeiden, dass das System bereits nach wenigen Jahren an seine Grenzen stößt und erneut ersetzt werden muss.
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06
Systeme neutral bewerten
Systemanbieter und Agenturen empfehlen häufig die Lösungen, mit denen sie selbst arbeiten. Deshalb braucht es eine neutrale Bewertung, die Stärken, Grenzen und Risiken offen gegenüberstellt. Eine klare Bewertungsmatrix hilft außerdem dabei, unterschiedliche interne Meinungen auf eine sachliche Grundlage zu bringen.
Vertiefung
Warum Shopsystem-Vergleiche ohne neutrale Grundlage scheitern
Der Markt für E-Commerce-Systeme ist groß, gut vermarktet und von Interessenkonflikten durchzogen. Systemanbieter investieren erheblich in Demos, Whitepapers und Referenzstories, die ihre Plattform ins beste Licht rücken. Agenturen empfehlen die Systeme, die sie beherrschen und mit denen sie ihr Geld verdienen. Und Analysten-Rankings messen Kriterien, die für Ihr konkretes Vorhaben möglicherweise irrelevant sind. Das Ergebnis ist ein Markt, in dem eine neutrale Systemempfehlung die Ausnahme ist und nicht die Regel.
Vergleicht man Shopsysteme ohne strukturierte Methodik, kann Folgendes passieren:
- Systeme werden auf Basis von Demos bewertet, die von Anbietern sorgfältig kuratiert wurden, um genau die Funktionen zu zeigen, die überzeugend wirken, während die Bereiche, in denen das System Grenzen hat, nie zur Sprache kommen.
- Die Entscheidung fällt letztlich nach dem Eindruck des Pitches und nicht nach einem objektiven Vergleich der Systeme auf Basis Ihrer tatsächlichen Anforderungen.
Das strukturelle Problem dabei ist, dass ein fairer Systemvergleich nur möglich ist, wenn alle Systeme auf derselben Anforderungsgrundlage bewertet werden. Wer diese Grundlage nicht vorher definiert hat, vergleicht unterschiedliche Dinge auf unterschiedlichen Grundlagen und nennt das trotzdem eine Entscheidung.
Was bei unstrukturierten Shopsystem-Vergleichen typischerweise schieflgeht:
- Gesamtbetriebskosten werden nicht vollständig erfasst, weil Lizenzkosten, Agenturkosten, Hosting, Release-Updates und Schnittstellenpflege selten in einem Vergleich zusammengeführt werden und das günstigste System im Anschaffungspreis oft das teuerste im Betrieb ist.
- Systemgrenzen werden erst nach der Entscheidung sichtbar, wenn ein Rollback nicht mehr möglich ist und teure Individualentwicklungen die einzige Option sind.
- Zukunftsanforderungen wie Internationalisierung, B2B-Funktionen oder neue Vertriebskanäle werden im Vergleich nicht berücksichtigt, sodass das gewählte System in zwei bis drei Jahren erneut gewechselt werden muss.
- Die interne Konsensfindung scheitert, weil verschiedene Stakeholder verschiedene Systeme präferieren und kein objektiver Bewertungsrahmen existiert, der die Diskussion auf eine sachliche Grundlage stellt.
Orientierung
Was einen belastbaren Shopsystem-Vergleich ausmacht
Ein Shopsystem-Vergleich ist dann belastbar, wenn er auf einer vollständigen Anforderungsbasis aufbaut, alle relevanten Kostendimensionen berücksichtigt und Systeme auf denselben Kriterien bewertet. Alles andere ist kein Vergleich, sondern eine subjektive Einschätzung mit strukturiertem Anschein.
Folgende Dimensionen müssen in einem professionellen Shopsystem-Vergleich zwingend berücksichtigt werden:
- Funktionale Abdeckung: Jedes System muss auf Basis Ihrer definierten Anforderungen bewertet werden, mit klarer Unterscheidung zwischen dem, was im Standard abgedeckt ist, was durch Erweiterungen ergänzt werden kann und was Individualentwicklung erfordert, weil genau dieser Unterschied über die tatsächlichen Projektkosten entscheidet.
- Gesamtbetriebskosten über fünf Jahre: Lizenz- oder Transaktionskosten, Hosting, Agenturkosten für Wartung und Weiterentwicklung, Release-Update-Aufwände und Schnittstellenpflege müssen für jedes System über einen realistischen Zeitraum hochgerechnet werden, weil nur diese Perspektive einen fairen Kostenvergleich ermöglicht.
- Integrierbarkeit in Ihre Systemlandschaft: Wie gut lässt sich das System an Ihre bestehenden ERP-, PIM- und Warenwirtschaftssysteme anbinden, wie reifen die verfügbaren Konnektoren sind und welcher Integrationsaufwand realistisch zu erwarten ist, sind Fragen, die für jedes System separat bewertet werden müssen.
- Zukunftssicherheit & Hersteller-Roadmap: Wie aktiv wird das System weiterentwickelt, wie groß und stabil ist das Agenturökosystem, welche strategischen Investitionen plant der Hersteller und wie wahrscheinlich ist es, dass das System in fünf Jahren noch die richtige Grundlage für Ihr Geschäftsmodell ist, sind Fragen, die in keinem ernsthaften Vergleich fehlen dürfen.
Warum ein Shopsystem-Vergleich nur mit neutraler Begleitung wirklich funktioniert
Einen Shopsystem-Vergleich intern durchzuführen ist aus einem einfachen Grund schwierig: Wer die Systeme gut genug kennt, um sie fundiert zu vergleichen, hat in der Regel bereits eine Präferenz. Und wer keine Präferenz hat, kennt die Systeme nicht gut genug für einen substanziellen Vergleich. Dieses Dilemma lässt sich intern kaum auflösen.
Hinzu kommt, dass Systemanbieter im Evaluierungsprozess aktiv versuchen, die Wahrnehmung zu beeinflussen, durch Demos, Referenzkunden, kostenlose Pilotprojekte und persönliche Beziehungen zu Entscheidungsträgern.
- Wer ohne neutrale Begleitung vergleicht, bewertet am Ende, wen er sympathischer findet und welche Demo überzeugender war, und nicht welches System besser zu seinen Anforderungen passt.
- Wer Systemanbieter direkt befragen lässt, ohne eine strukturierte Bewertungsgrundlage vorzugeben, bekommt Antworten, die auf Überzeugung optimiert sind und nicht auf Vollständigkeit und Ehrlichkeit.
Orientierung