
Im August 2026 gab Shopware bekannt, dass Mitgründer Stefan Hamann den CEO-Posten abgibt, um in die neue Rolle des Chief Agentic Officer zu wechseln.
Hamann begründet den Schritt in der Pressemitteilung mit einem Satz, der die Richtung vorgibt. „Der Handel bekommt eine zweite Kundengruppe: Neben Menschen müssen künftig auch KI-Agenten bedient werden". Ein Gründer, der die operative Führung abgibt, um sich auf ein einzelnes Thema zu fokussieren, weist deutlich in eine Richtung.
Agentic Commerce beschreibt Käufe, die KI-Agenten im Auftrag von Menschen vorbereiten oder abschließen. Der Agent kennt Budget und Regeln des Nutzers, vergleicht über unterschiedliche Shops hinweg und löst die Bestellung aus, wenn der Nutzer das erlaubt hat.
Ein Nutzer bittet zum Beispiel seinen Assistenten, einen langlebigen Ersatzfilter für die Dunstabzugshaube für maximal 40 Euro mit einer Lieferung bis Freitag zu bestellen. Anders als der klassische Nutzer braucht der Agent weder Kategorieseite noch Werbebanner dafür. Stattdessen braucht er eine maschinenlesbare Produktbeschreibung mit Artikelnummer, Preis, Lagerbestand und Lieferzeit sowie einen Weg, den Kauf abzuschließen. Maschinenlesbarkeit erhält damit zukünftig eine noch höhere Relevanz als bisher schon im SEO, zum Beispiel durch strukturierte Daten auf der Produktdetailseite.
Dabei kann grundsätzlich zwischen 2 Vorgehensweisen unterschieden werden:
Damit ein Agent einen Shop lesen und dort kaufen kann, braucht es gemeinsame Sprachen und Standards. Seit 2024 sind mehrere entstanden, die aufeinander aufbauen oder parallel existieren können.
Einige Beispiele:
Für Agentic Commerce entsteht derzeit kein einzelner Standard, sondern ein Stack verschiedener Protokolle und Schnittstellen. UCP und ACP können auch parallel betrieben werden, sodass es keine entscheidende Rolle spielt, auf welches Protokoll Händler aktuell setzen. Shopware hat sich in der eigenen Extension für UCP als Rückgrat entschieden und bedient OpenAI zusätzlich über den Produktfeed.
Shopware bereitet seine Plattform auf mehreren Ebenen auf Agentic Commerce vor. Neben technischen Standards und Schnittstellen spielen dabei auch die Auffindbarkeit für KI-Agenten, die Qualität der Produktdaten sowie neue Funktionen für Händler eine Rolle. Einige dieser Bausteine sind bereits verfügbar, andere befinden sich noch in der Entwicklung.
Mit der kostenlosen Extension Agentic Commerce (Beta) bringt Shopware 3 Dinge in den Shop:
Die Datei agents.md beschreibt die Regeln für Agenten beim Einkauf. Spannend sind hierbei die Vorsichtsmaßnahmen, die Shopware trifft und in die agents.md ergänzt:
Bestellungen und Kunden, die über den Agentic-Kanal kommen, werden getrennt erfasst. In der Bestellübersicht lässt sich damit ablesen, welchen Umsatz KI-Empfehlungen bringen.
Um einen ersten Überblick über die Verfügbarkeit des Shops für KI-Systeme zu erhalten, bietet Shopware den hauseigenen Agentic Readiness Scanner. Dabei handelt es sich um einen Scanner, der den Shop möglichst so betrachtet, wie es ein Agent machen würde.

Im Ergebnis finden sich neben vielen LLM-spezifischen Punkten auch klassische SEO-Basics wieder: robots.txt, Sitemap, strukturierte Daten, Bewertungen. Für Shopware-Shopbetreiber ist dieser Scan empfehlenswert, da er kostenlos und schnell durchgeführt ist.
Am 10. Juli 2025 gründete Shopware die Agentic Commerce Alliance. Händlern droht, auf den reinen Warenlieferanten reduziert zu werden, wenn Agenten Käufe in Sekundenbruchteilen abwickeln. Konzerne wie OpenAI, Amazon oder Google könnten damit zu den größten Commerce Hubs werden. Die Alliance will die Einführung von Agentic Commerce bei Händlern vorantreiben und offene, interoperable Standards schaffen, über die Agenten mehr bewerten als den Preis, wie zum Beispiel die Servicequalität eines Händlers. Heute versteht sie sich als herstellerneutrale Organisation mit kostenloser Mitgliedschaft für Händler.
Shopware 6 Shops in aktueller Version sind mit dem Shopware Copilot ausgestattet, einem chatbasierten KI-Assistenten direkt im Admin. Der große Vorteil gegenüber klassischen Chatbots ist, dass der Shopware Copilot einen verbesserten Zugriff die Daten im Shop ermöglicht, wodurch ein verbesserter Kontext möglich ist. Er ist damit der Agent für den Händler, während Einkaufsagenten für den Kunden arbeiten.
Wer einen Shop betreibt, kennt das Problem, dass Preise im ERP stehen, Produkttexte im PIM und Kundendaten im CRM, und jede Verbindung dazwischen einzeln programmiert und gepflegt werden muss. Shopware Nexus befindet sich aktuell in der Einführungsphase und soll diese Verbindungen übernehmen. Anders als beim Flow Builder sollen Workflows hier in einem deutlich größeren Kontext möglich sein: Shopware Nexus soll Verbindungen zwischen ERP, PIM, CRM und weiteren Systemen über eine native, ereignisbasierte Orchestrierungsschicht abbilden und dadurch den Bedarf an individuell entwickelter Middleware reduzieren. Ab Oktober 2026 erhält jeder Shop ein monatliches, kostenloses Ausführungskontingent.
Folgende Punkte lassen sich bereits heute optimieren und zahlen auf die Sichtbarkeit in LLMs ein. Auch für klassisches SEO und teilweise auch Marktplätze sind einige der Punkte relevant, sodass sich die Anpassung gleich mehrfach lohnt.
Beispiele:
Die Prognosen befinden sich auf einem sehr breiten Spektrum. Ein mögliches Szenario ist, dass wiederkehrende Standardkäufe von Verbrauchsgütern wie z. B. Putzmittel autonom erfolgen könnten, während emotionalere oder komplexere Kaufentscheidungen weiterhin manuell durchgeführt werden.
Agenten übernehmen die Standardkäufe von Produkten, bei denen der Nutzer bereits genau weiß, was er benötigt und was er bekommt, während bei emotionalen und komplexeren Kaufentscheidungen die klassischen Produktseiten relevant bleiben. Shopware hat diese Seite bewusst in die zweite Gründerrolle gelegt: Sebastian Hamann verantwortet als Chief Experience Officer „die menschliche Seite des Handels". Produktseitig stehen dafür Spatial Commerce mit 3D- und AR-Darstellung und die Digital Sales Rooms für videogestützte Beratung. Die Transaktion darf ein Agent nach den Regeln der Nutzer erledigen, die Entscheidung soll im Shop erlebbar bleiben.
Seit LLMs für Endnutzer verfügbar sind, verändert sich die Onlinewelt täglich. Neben vielen unterschiedlichen Prognosen, wie das Onlineshopping von Morgen aussehen wird, sprechen über 1 Milliarde OpenAI Nutzer und die wachsenden Nutzungszahlen von Chatbots eine deutliche Sprache: weitere Verbreitung. Für Händler ist es vor allem vor bevorstehenden großen Updates der Systeme wichtig, stets die aktuelle Systemarchitektur zu hinterfragen und den richtigen Zeitpunkt zu finden, die Systemlandschaft anzupassen, sofern dies notwendig ist.
Dabei geht es nicht darum, in jedem Aspekt First-Mover zu sein, allerdings sollte eine historisch gewachsene Systemlandschaft, die nicht bereit für das KI-Zeitalter ist, nicht ignoriert werden. Ganz unabhängig von den grundlegenden Architekturentscheidungen können Händler schon heute Vertrauenssignale durch z. B. Bewertungen aufbauen, Produktdaten sowie das technische Fundament optimieren, damit LLMs auf den Onlineshop zugreifen können und ideal über Sortiment und Lieferstatus informiert sind.